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3 Fragen an Enverque: »Mit der Diagnostik in der Hosentasche schaffen wir eine schnelle, zuverlässige und aussagekräftige Lösung für die individuelle Gesundheit«

veröffentlicht von Karen Esser
Jana Verbancic, Johanna Bsdok und Dr. Jenny Steele im Labor von Enverque GmbH
Enverque-Labor in Potsdam Golm

Für seine Kund:innen deckt Enverque alle Diagnoseschritte von der Probennahme über Labortests bis hin zur Auswertung ab. So trägt das Unternehmen etwa zu einer verbesserten Therapie von Krebs und HIV bei. Mit der App Enver möchte Enverque nun einen „Hausarzt für die Hosentasche“ anbieten und damit einen weitreichenden Beitrag zur allgemeinen Gesundheit leisten. Im Interview spricht Gründer Joscha Hüdepohl über das Geschäftsmodell seines Unternehmens sowie über den zukunftsweisenden Einsatz künstlicher Intelligenz.

Herr Hüdepohl, Sie bezeichnen Enverque als vertikal integriertes Unternehmen im Gesundheitswesen. In welchen Bereichen sind sie tätig?

Wir decken bei Enverque die gesamte Kette der Diagnostik ab, von der Probennahme über den Test im Labor bis hin zur benötigten Software dahinter. Zu diesem Zweck teilt Enverque sich in vier Sparten.

Die erste besteht im Betrieb medizinischer Labore. Unser größtes Labor, das sich auch der Forschung und Entwicklung widmet, befindet sich im GO:IN 2 im Potsdam Science Park. Dort belegen wir derzeit eine halbe Etage und beschäftigen rund acht Mitarbeitende. Wir wollen aber personell weiterwachsen und werden uns dann sicher auch räumlich erweitern. Unsere übrigen Labore sind in der CargoCity in Frankfurt sowie in Brazzaville in der Republik Kongo angesiedelt. In Brazzaville folgen wir dem Ruf der WHO nach Unterstützung im Bereich der Medikamentenresistenz bei HIV. Im Januar 2023 werden wir außerdem ein Labor in Conakry in Guinea eröffnen, im zweiten Quartal ein weiteres in Athen.

Zweitens widmen wir uns der Herstellung von Reagenzien. In Potsdam designen und entwickeln wir unsere eigenen PCR-Kits und setzen unsere eigenen Next-Generation-Sequencing (NGS)-Kits ein, die der Genomsequenzierung dienen. Damit führen wir für Labore, die selbst kein NGS umsetzen können, etwa SARS-CoV-2-Sequenzierung durch. Darüber hinaus setzen wir NGS in der Onkologie ein, um Tumorzellen zu diagnostizieren und unternehmen einen Vorstoß im Bereich HIV.

In unserer dritten Sparte, der Biotechnologie, bauen wir mit unserer Tochter WeDiag ein Immun-Repertoire-Profile auf. Hierbei handelt es sich um eine große, KI-gestützte Datenbank, mit deren Hilfe wir verschiedene Biotechnologieprogramme entwickeln. Auf diese Weise ermöglichen wir unter anderem ein verbessertes Patient:innen-Monitoring nach Organtransplantationen. Dabei ermitteln wir mithilfe der Blutprobe von Patient:innen, denen Organe verpflanzt wurden, wie ihre Immunsysteme auf diese reagieren. Dieser frühe Warnmechanismus ist vor allem in Fällen entscheidend, in denen eine Transplantation nicht zum gewünschten Ergebnis führt, ein Körper ein neues Organ womöglich abstößt. Bisher konnten Ärzt:innen in solchen Fällen zwar glücklicherweise ihre Patient:innen retten, nicht aber das betreffende Organ. Das ist mit Blick auf die ohnehin knappe Verfügbarkeit geeigneter Spenderorgane offensichtlich ein Problem. Durch unsere Arbeit erhalten Ärzt:innen ein Instrumentarium, das ihnen erlaubt, rechtzeitig zu entscheiden, ein Organ wieder zu entnehmen – und es somit für eine neue Transplantation zu retten.

Ihre vierte Sparte umfasst digitale Lösungen wie ihre App Enver, mit der Sie auch in den Endkund:innenmarkt eintreten. Was wollen Sie mit Enver erreichen?

Mithilfe einer digitalen Plattform, die unsere Kund:innen im individuellen Gesundheitsmanagement begleitet, ermöglicht Enver eine einfache Diagnostik von zu Hause aus. Über ein Homekit können Nutzer:innen zum Beispiel mit einer kleinen Blutprobe die Vitamin-B12-Konzentration in ihrem Blut testen lassen. Unser Flagshipstore im Berliner Adlon sowie unsere Partnerpraxen bieten dazu auch professionelle Blutabnahmen an. Unser Potsdamer Labor untersucht die Blutprobe und sendet den Befund über die App digital direkt an sie zurück. Zusätzliche Erläuterungen in der App veranschaulichen, wozu Vitamin B12 wichtig ist und auch, welche Maßnahmen Nutzer:innen ergreifen sollten, um ihre B12-Versorgung zu verbessern. Diese „Diagnostik für die Hosentasche“ schafft eine schnelle, zuverlässige und aussagekräftige Lösung für die eigene Gesundheit – gerade, weil viele Menschen heutzutage den Weg zu ihrer Hausärztin oder ihrem Hausarzt nur noch selten gehen können oder wollen. Ab Januar werden unsere Homekits online, in Reformhäusern sowie in unserem Flagshipstore zu finden sein.

Enverque setzt in allen Sparten auf den Einsatz künstlicher Intelligenz. Welchen Mehrwert bietet die Technologie ihrem Unternehmen?

KI macht unsere Leistungen in vielen Fällen überhaupt erst möglich. Um ein Beispiel zu nennen: Für Diabetespatient:innen können wir dank NGS über Blutproben erkennen, womit sich das Immunsystem ihres Körpers gerade befasst und daraus medizinisch relevante Schlussfolgerungen ableiten. Diese Analyse ist für uns Menschen allein jedoch vollkommen unmöglich. Wir setzen sie mithilfe einer KI um, die dank einer großen Menge medizinischer Daten, mit denen unser Team aus Data-Scientists sie zuvor trainiert hat, gelernt hat, genau solche Schlüsse zu ziehen. Auch unsere Enver-App arbeitet KI-gestützt. Bis wir unseren Kund:innen mit ihr einen entsprechenden Mehrwert bieten können, werden wir voraussichtlich noch ein bis zwei weitere Jahre brauchen. Später wollen wir die mit ihrer Hilfe anonymisiert gesammelten Daten jedoch nutzen, um besser zu verstehen, was Gesundheit eigentlich ist. So möchten wir künftig behandelnde Ärzt:innen unterstützen, die allgemeine Gesundheitsvorsorge verbessern und noch anspruchsvollere Lösungen entwickeln.

Herr Hüdepohl, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Dieser Blog und die Projekte der Standortmanagement Golm GmbH im Potsdam Science Park werden aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und des Landes Brandenburg finanziert.

Bildnachweis: Dr. Jana Verbančič, Johanna Bsdok, Dr. Jenny Steele (v. l. n. r.) im Potsdamer Labor der Enverque GmbH © Dr. Jenny Steele (Privatfoto)