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Außergewöhnliche Berufe im Potsdam Science Park – Yann macht ein Freiwilliges Naturwissenschaftliches Jahr (FJN) am Fraunhofer IZI-BB

veröffentlicht von Karen Esser
Yann Niklas Klötzer, Freiwilligendienstleistender am Fraunhofer IZI-BB​_Standortmanagement Golm GmbH_Julia Hinz
Yann Niklas Klötzer, Freiwilligendienstleistender am Fraunhofer IZI-BB​_Standortmanagement Golm GmbH_Julia Hinz

Das Abi frisch in der Tasche – und nun? Viele junge Menschen nehmen nach dem Abitur direkt ihr Studium auf, andere wiederum nutzen die Zeit, um zu reisen, wieder andere leisten einen Freiwilligendienst. Die Möglichkeiten, sich zu engagieren, sind vielfältig, am bekanntesten ist dabei das Freiwillige Soziale Jahr. Dass man über einen solchen Dienst auch in die naturwissenschaftliche Forschung hineinschnuppern kann, ist jedoch recht unbekannt. Yann Niklas Klötzer macht am Fraunhofer IZI-BB ein solches Freiwilliges Naturwissenschaftliches Jahr (FJN).

Zellkulturen statt Work and Travel, Labor statt Weltreise – gerade eben war Yann noch im institutseigenen Zellkulturlabor, in voller Montur versteht sich. Bevor er dieses besondere Labor in Schutzkleidung betritt, muss er durch eine Art Schleuse, wo er sich einen zartgelben Kittel überzieht, ähnlich einem Krankenhauskittel vorn geschlossen, seine Hände gründlich wäscht und desinfiziert bevor er sich Handschuhe anzieht. Denn in die Zellkulturlabore am Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie, Institutsteil Bioanalytik und Bioprozesse, im Potsdam Science Park sollten möglichst wenig Bakterien gelangen, das könnte die Forschungsergebnisse verfälschen.

Dass Yann mit seinen 18 Jahren hier bereits ein- und ausgeht wie manch ein Profi, macht ihn stolz und dankbar. Man traut ihm am Fraunhofer-Institut wirklich etwas zu. Erst im Sommer hat er sein Abitur am Potsdamer Helmholtz-Gymnasium abgeschlossen, jetzt absolviert er sein Freiwilliges Soziales Jahr in Wissenschaft, Technik und Nachhaltigkeit (FJN). Es bietet eine exzellente Möglichkeit, nach dem Schulabschluss in die Forschung reinzuschnuppern und in die Welt der Wissenschaft einzutauchen.

Biologie und Chemie waren schon immer Yanns Lieblingsfächer

Die Welt und die Dinge um ihn herum dank der Biologie und der Chemie zu verstehen, fasziniert ihn schon lange. „Warum beispielsweise helfen Desinfektionsmittel gegen Bakterien? Solche Fragen haben mich schon immer interessiert“ erzählt er mit leuchtenden Augen. Nach seinem Abschluss war sich Yann jedoch unsicher, ob er lieber Chemiker oder Biochemiker werden würde. Dazu kam, dass er durch die Coronaauflagen an seiner Schule kaum experimentieren konnte. Etwas Praxiserfahrung zu sammeln, erschien ihm darum sinnvoll, um sich endgültig für eine Richtung zu entscheiden. Von einer Freundin erfuhr er dann vom Freiwilligen Naturwissenschaftlichen Jahr und bewarb sich beim Institutsteil Bioanalytik und Bioprozesse des Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie IZI-BB im Potsdam Science Park.

Eine direkte Bewerbung beim Institut war dabei eher ungewöhnlich, denn normalerweise erkundigen sich Interessierte zunächst auf der Website für Internationale Jungendgemeinschaftsdienste (ijgd). Hier können sie sich eintragen und erhalten dann eine E-Mail mit den verfügbaren Einsatzstellen. Die Bewerbung läuft dann direkt über den ijgd. Yann wusste allerdings, dass zumindest einige der Fraunhofer-Institute in Berlin das FJN anbieten, wollte selbst aber aufgrund der Forschungsschwerpunkte unbedingt ans Fraunhofer IZI-BB in Potsdam. Seine Initiative kam offenbar gut an, denn Institutsleiterin Frau Dr. Ehrenteich-Förster und Gruppenleiterin Frau Dr. Hettrich, Yanns spätere Betreuerin, luden ihn zum Gespräch ein. Am 1. September 2022 begann er als erster Freiwilliger am Fraunhofer IZI-BB seinen Freiwilligendienst.

Yann gefällt insbesondere die Arbeitsatmosphäre und das gute Miteinander

Den Vertrag bzw. die Verträge über diesen Dienst laufen sowohl über das Institut als auch über den ijgd. Letzterer regelt auch Yanns Versicherungsstatus, Urlaubszeiten sowie ein monatliches Taschengeld, während er am Institut beschäftigt ist. In der Regel dauert das FJN genau ein Jahr. Die Arbeitszeit orientiert sich an den vollbeschäftigten Mitarbeiter:innen in der Einsatzstelle, normalerweise also 39 oder 40 Stunden pro Woche. Im vergangenen Jahr haben bundesweit insgesamt 62 Freiwillige den Dienst angetreten, es ist ein Modellprojekt des ijgd im Rahmen des Freiwilligendienstgesetzes. Demgegenüber stehen 1768 vom ijgd betreute FSJler im letzten Jahr.

Dementsprechend wusste Yann kaum, was ihn bei seinem FNJ erwarten würde. Heute zeigt er sich beeindruckt: „Hier herrscht eine sehr angenehme Stimmung“. Er schätze die Arbeitsatmosphäre und das respektvolle und unterstützende Miteinander am Institut sehr und komme jeden Morgen mit einem Lächeln hierher. Viele der Mitarbeitenden gingen beispielsweise in der Mittagspause zusammen essen und auch Yann wurde von Anfang an wohlwollend eingeschlossen.

Yann darf bei vielen der ansässigen Arbeitsgruppen reinschnuppern

Auch der Potsdam Science Park selbst trage dazu bei, dass Yann sich so wohl fühlt, denn er findet ihn großartig. „Zum einen finde ich die Gebäude architektonisch sehr interessant. Ich hatte mal ein Praktikum am Max-Planck-Institut für molekulare Pflanzenphysiologie und stand dort fünf Minuten vor dieser kinetischen Installation – die ist sehr schön.“ Doch auch für den Blick vom Fraunhofer-Gelände über die Felder, kleine Details wie die Bienen auf dem Gelände oder die Schafe vorm Büro kann er sich begeistern. Das ganze Konzept, dass so viele wissenschaftliche Institute und Einrichtungen und auch die Universität Potsdam an einem Ort versammelt sind, findet er gut. „Einige Mitarbeitende der Fraunhofer-Institute gehen auch in die Kantine der Max-Planck-Institute – auch da hat man dann den Austausch unter Wissenschaftler:innen, das ist wirklich schön.“

Viele Arbeitsgruppen hier ermöglichen ihm, an ihren Aufgaben teilzuhaben. So hat er beispielsweise bereits eine einwöchige Einweisung in eine Zellkultur erhalten. „Man bekommt eine Zelllinie zugewiesen und die muss man wie ein Haustier alle zwei Tage füttern, sonst geht sie ein. Dazu bekommt sie eine Mischung aus Aminosäuren, Salzen und Vitaminen, um der Zelle alles zu geben, was sie in einem normalen Stoffwechsel auch bräuchte. Um an diesen lebenden Zellen zu forschen, muss man sie natürlich am Leben halten.“ Im Institut darf er sich relativ frei bewegen, in diverse Bereiche hineinschnuppern, schon „richtig coole Aufgaben erledigen“.

Von der schulischen Theorie in die Praxis im Labor

Das Erlebnis, hier am Institut tatsächlich im Labor zu stehen und die Theorie aus der Schule nun in der Praxis anzuwenden, beeindruckt den Freiwilligendienstleistenden. Yann kenne einige Leute, die naturwissenschaftliche Studien begonnen haben und sich im zweiten Semester die große Sinnfrage gestellt hätten, weil ihnen ein Ziel fehlte. „Weil ich aber hier die Arbeit am Fraunhofer-Institut nun schon gesehen habe, weiß ich wie ein späteres Arbeitsleben aussehen könnte.“

Zudem habe er schon jetzt viel praktisches Wissen erlangt, das ihm im Studium sehr weiterhelfen wird. Anrechnen kann er im Studium zwar nichts, Yann hat seinen künftigen Kommilitonen dann aber vermutlich schon einige Praxiserfahrung voraus. Auch die vielen Kontakte, die er hier zu Alumni knüpft, die Fächer studiert haben, die Yann ebenfalls interessieren, sind für ihn von Vorteil: Er bekomme zahlreiche Tipps zum Studium, zu verschiedenen Universitäten.

Yanns grober Zukunftsplan steht schon: der Bachelor in Leipzig, ein Master in Berlin

Die Erfahrung im Potsdam Science Park hat in Bereits zu zwei Entscheidungen geführt, die für die kommenden Jahre seines Lebens richtungsweisend sind. Im nächsten Jahr möchte er das Bachelorstudium an der Universität Leipzig aufnehmen. Zwar wisse man nie, wohin die Wege während des Studiums liefen, als grober Zukunftsplan beabsichtigt Yann nach dem Bachelor in Chemie in Leipzig einen Master in Biochemie an der FU Berlin zu absolvieren, denn die sei in Sachen Biochemie sehr renommiert. Und wer weiß, mit etwas Glück kann er dann sogar auch seine Masterarbeit hier am Fraunhofer IZI-BB schreiben – „das wäre eine schöne Idee“, findet Yann.

Für heute hat er sich erst einmal vorgenommen, die Bilder auszuwerten, die er beim Mikroskopieren gemacht hat. Später steht für Yann eine weitere Belehrung zum Thema Zellkultur an. Ein paar Monate am Fraunhofer IZI-BB hat er noch vor sich, und einige Arbeitsgruppen, bei denen er reinschnuppern möchte. Was er dort lernen wird, darauf ist er schon sehr gespannt.

Dieser Blog und die Projekte der Standortmanagement Golm GmbH im Potsdam Science Park werden aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und des Landes Brandenburg finanziert.

Bildnachweis: Yann Niklas Klötzer, Freiwilligendienstleistender am Fraunhofer IZI-BB © Standortmanagement Golm GmbH/Julia Hinz