Institutsleiter, Professor, Forscher: Alexander Böker und seine vielseitige Arbeit als Leiter des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Polymerforschung

von Karen Esser

Seit 2015 ist Prof. Dr. Alexander Böker Institutsleiter des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Polymerforschung IAP und zugleich Inhaber des Lehrstuhls für Polymaterialien und Polymertechnologie. Ein kurzes Portrait über einen Institutsleiter, dessen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter anderem an Materialien für eine nachhaltigere Welt forschen.

Forschung für eine bessere Welt – eine Aufgabe, die Geduld erfordert
Wer sich mit den Forschungsprojekten des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Polymerforschung (IAP) auseinandersetzt, merkt schnell: Hier geht es um die Forschung an Lösungen, die ein nachhaltigeres Wirtschaften ermöglichen und das Leben der Menschen verbessern können. Diese Forschung bedeutet Arbeit – und ein hohes Maß an Geduld. Prof. Alexander Böker ist sich dieser Verantwortung bewusst. Seit Anfang 2015 ist er Leiter des Fraunhofer IAP und somit verantwortlich für ein Institut, das derzeit 260 Personen beschäftigt (Stand September 2020), davon 110 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie 95 technische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Wie herausfordernd diese Aufgabe ist, erfuhr er bereits bei seinem Amtsantritt im Jahr 2015. Da gab ihm sein Vorgänger, der ehemalige Institutsleiter Prof. Dr. Hans-Peter Fink, den Rat, Geduld zu haben: „Das Fraunhofer IAP ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Den Marathon müssen Sie aber bis zu Ende laufen und da müssen sie sich die Strecke gut einteilen, wenn Sie als Erster durchs Ziel laufen wollen“, erinnert sich Prof. Böker an die Worte seines Vorgängers.

Polymere – Moleküle mit unglaublich vielfältiger Anwendung
Wenn Prof. Böker über die Forschungsarbeit seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter spricht, kommt er schnell ins Schwärmen. Das Fraunhofer IAP beschäftigt sich nämlich, wie der Name es bereits verrät, mit der Erforschung der Polymere. Dabei handelt es sich um langkettige Moleküle, die aus unserem Alltag kaum wegzudenken sind. Sie sind fester Bestandteil von Handys, Computern oder modernen LEDs oder werden in Flugzeugen oder Fahrzeugen verbaut. Sie stecken aber auch in ganz anderen Dingen: „Einer unserer Wissenschaftler hat beispielsweise ein Hornhautimplantat für das Auge entwickelt. Es wird bei Patienten eingesetzt, die ihr Augenlicht verloren haben, weil die Hornhaut beschädigt wurde“, so Prof. Dr. Alexander Böker. Der Erfolg sei dabei erstaunlich gewesen: „Durch den Einsatz der künstlichen Augenhornhaut kann solchen Patienten 30-40 % ihrer Sehkraft zurückzugegeben werden“, erklärt der Institutsleiter.

Wie das Fraunhofer IAP daran forscht, Alternativen zu Erdöl zu schaffen
Ein Großteil der Polymere, die in Gegenständen verarbeitet werden, wird dabei synthetisch produziert. Weil Erdöl meist dafür der Ausgangsrohstoff ist, hat die synthetische Produktion einige Nachteile. Zum einen ist Erdöl ein fossiler Rohstoff, der nur begrenzt verfügbar ist. Zum anderen sind die Abfälle teilweise in der Umwelt schwer abbaubar.

Aus diesem Grund sind Biopolymere ein wichtiger Forschungszweig des Fraunhofer IAP. Dabei handelt es sich um natürliche Polymere wie etwa Zellulose, die z. B. in Bäumen oder Blättern vorkommt. Im Bereich der biobasierten Carbonfasern haben die Forscherinnen und Forscher am Fraunhofer IAP einige Meilensteine geschafft: „Dank eines neu entwickelten Prozesses haben wir es geschafft, biobasierte Carbonfasern herzustellen“, so Prof. Böker. Diese könnten dann in Flugzeugen, Autos, Sportgeräten oder Windkraftanlagen Anwendung finden.

Drei Jobs: Institutsleiter, Professor, Forscher
Als Leiter des Fraunhofer IAP sorgt Prof. Böker dafür, stetig die Grundlagenforschung im Bereich der Polymere voranzutreiben, neue Impulse zu setzen und Forschung auf Spitzenniveau zu gewährleisten. Prof. Böker ist bestens vernetzt und hat großes Interesse an immer neuen Synergien für die Forschungsarbeit der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Institut. Besonders für strategische Partnerschaften mit anderen Instituten und Unternehmen setzt er sich persönlich ein. Selbst betont er in seinen Aufgaben als Leiter des Fraunhofer IAP auch seine Funktion als Wegbereiter: „Meine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Möglichkeiten und Chancen eröffnet bekommen, um in ihren Bereichen die Forschung und Entwicklung bestmöglich vorantreiben zu können“.

Zusätzlich zu seiner anspruchsvollen Aufgabe als Leiter des Fraunhofer-Instituts für Polymerforschung ist Prof. Alexander Böker Inhaber des Lehrstuhls für Polymermaterialien und Polymertechnologie an der Universität Potsdam. Dort hält er Vorlesungen, betreut Doktorandinnen und Doktoranden sowie Bachelor- und Masterstudierende. Eine Aufgabe, die er mit großer Leidenschaft erfüllt: „Das gehört einfach dazu und wäre dies nicht so, dann würde mir auch was fehlen“, so Böker. Den Potsdam Science Park schätzt er als Forschungsstandort auch aufgrund seiner hervorragenden Lage sehr: „Ich sage immer, dass wir dort arbeiten, wo andere Urlaub machen“, sagt er mit einem Schmunzeln im Gesicht. „Wenn morgens die Sonne über dem Science Park aufgeht in dieser wunderschönen Natur hier in Potsdam-Golm, werde ich jeden Tag daran erinnert, was für eine tolle Arbeitsumgebung ich habe.“ Der größte Vorteil sei jedoch die Nähe zu weiteren Instituten, Universitäten und Unternehmen. In direkter Nachbarschaft befindet sich beispielsweise das Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung, ebenso das Nachbarinstitut, das Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie IZI-BB. Positiv findet er das starke Wachstum und den Ausbau des Potsdam Science Parks. Sein Fazit: „Zu sehen, wie sich der Science Park jetzt entwickelt, ist wunderbar.“

Foto: Prof. Dr. Alexander Böker © Manuela Zydor

Dieser Blog und die Projekte der Standortmanagement Golm GmbH im Potsdam Science Park werden aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und des Landes Brandenburg finanziert.