Nicolas Hartmann und vly: die Neuerfindung der Milch

veröffentlicht von Karen Esser

Nicolas Hartmann und das Team von vly bieten eine Milch auf der Basis von Erbsenproteinen an. Dank einer TV-Sendung wurden sie deutschlandweit bekannt. Was die wenigsten wissen: Um ihr Startup aufzubauen, bekamen sie dabei wertvolle Unterstützung von Potsdam Transfer an der Universität Potsdam: ihr EXIST-Gründerstipendium. Die Geschichte eines Startups mit der Ambition, die Welt ein Stück besser zu machen.

Sie haben eine cremige Konsistenz, stecken voller Nährstoffe und eignen sich zum Backen und um den Kaffee zu verfeinern: die veganen Milchprodukte (oder Milchproduktalternativen) aus Erbsenproteinen von vly. Was die Beliebtheit ihrer Produkte angeht, gehört das Startup zu den heimlichen Stars im Bereich der Milchalternativen. Möglich wurde dies unter anderem durch einen spektakulären Auftritt in der Startup-Pitch-Sendung „Die Höhle der Löwen“, die Anfang September ausgestrahlt wurde. Zwar haben die Gründer Nicolas Hartmann, Moritz Braunwarth und Niklas Kattner keinen Deal abgeschlossen, aber die Sendung sorgte dafür, dass der Absatz ihrer Milchalternativen aus Erbsenproteinen steil nach oben ging.

Medien portraitieren die Gründer und interessierten sich für deren vegane Produkte. Was die wenigsten wissen: Für ihren Aufstieg erhielten die Gründer wertvolle Unterstützung durch das Team von Potsdam Transfer an der Universität Potsdam.

Wie alles begann: von der Idee, mit veganen Alternativen die Welt ein Stück besser zu machen

Dass der Weg zum eigenen Startup anstrengend wird, hatte auch Nicolas Hartmann gewusst. Wie viel Aufwand es aber tatsächlich bedeutet, mit der Hilfe von Forschung neue Impulse zu setzen, hat selbst ihn überrascht. Der ehemalige Profi-Basketballer hatte mit seinen Freunden Moritz Braunwarth (Lebensmitteltechnologe) und Niklas Kattner (Jurist) eine simple Idee: Sie wollten eine Alternative zu Milch anbieten: ein pflanzliches Produkt, voller gesunder Nährstoffe, das zudem nachhaltig ist. Die Milchindustrie erschien als etwas, das besser gemacht werden musste: „Über alle Ebenen hinweg: von der Perspektive der Tiere und dem, was ihnen injiziert wird, bis hin zu den landwirtschaftlichen Praktiken in Deutschland und auch unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit dachte ich: Das alles muss geändert und besser gemacht werden“, so Nicolas Hartmann.

Und so kamen sie auf die Spalterbse, die vielen Verbraucher*innen kaum bekannt sein dürfte, aber zahlreiche Nährstoffe enthält. Diese hat noch weitere Vorteile: Als Hülsenfrucht eignet sie sich, genau wie Soja, gut für die Produktion einer Milchalternative. Laut vly sei die gelbe Spalterbse der „Goldstandard unter den veganen Sportlern“, weil sie sehr viele Proteine enthält, gut verdaulich und vollkommen allergenfrei ist. Sie kann außerdem in Deutschland angebaut werden und verleiht den Pflanzenmilchprodukten eine cremige Konsistenz.

Geboren war die Idee für ihr Startup vly. Doch um aus einer Hülsenfrucht ein schmackhaftes Getränk zu machen, mussten sie forschen. Viel forschen.

EXIST-Förderung für den erfolgreichen Start

Zwei Jahre hatte es gedauert, bis endlich die Rezeptur für ihre Milch aus Erbsenproteinen gefunden war. Während ihrer Forschungszeit an der Technischen Universität Berlin waren die Gründer Teil von NutriAct, dem Kompetenzcluster Ernährungsforschung Berlin-Potsdam. Über das Kompetenzcluster kamen sie in Kontakt mit dem Team von Potsdam Transfer. Potsdam Transfer ist die zentrale Einrichtung für Gründung, Innovation, Wissens- und Technologietransfer der Universität Potsdam.

Gründer*innen im Potsdam Science Park und an weiteren Standorten der Universität werden dabei unterstützt, ihre Ideen zu entwickeln und erfolgreich umzusetzen. Hier bewarben sich Nicolas Hartmann, Moritz Braunwarth und Niklas Kattner um ein EXIST-Gründerstipendium, konnten überzeugen und erhielten eine Förderzusage für ein Jahr. Das EXIST-Stipendium enthielt dabei feste monatliche Sätze, die den Lebensunterhalt garantierten, sowie Mittel, die für Sachausgaben für die Gründung eingesetzt werden konnten.

Der Durchbruch und Zukunftspläne

Der Rest ist eine Erfolgsgeschichte: Seit 2018 finden sich die Produkte von vly in den Regalen der Supermärkte. Aktuell ist ihr veganes Milchangebot in über 5.500 Geschäften zu finden, Tendenz steigend. Beim Absatz geben sie stolz auf ihrer Webseite an, bereits 721.432 Liter ihrer cremigen Milchalternative verkauft zu haben (Stand: 10.11.2020). Dabei ist das Team sehr zuversichtlich, noch viel Potenzial beim Absatz zu haben: „In Deutschland machen die Produkte auf pflanzlicher Basis nur 5 % des Marktes aus, während dieser Anteil in den USA bereits bei über 15% liegt“, so Nicolas Hartmann.

Sein Traum sei es, irgendwann das gesamte tierische Eiweiß durch pflanzliches Eiweiß zu ersetzen. Davon würden laut Nicolas Hartmann alle profitieren, weil die Ernährung gesünder und nachhaltiger sei. Laut vly benötigen Sie für die Herstellung ihrer Produkte 13-mal weniger Wasser, 15-mal weniger CO2 und fünfmal weniger Anbaufläche als dies für die Milchproduktion erforderlich sei. Aktuell arbeiten bei vly acht Festangestellte: alle hochmotiviert, für eine bessere Welt zu arbeiten. In Zukunft soll das Unternehmen weiterwachsen, die Gründer wollen mehr Personen einstellen und ihre Produkte auch außerhalb Deutschlands anbieten. Eines Tages, so das Ziel, wollen sie ihre Produkte weltweit vermarkten.

Mit Potsdam Transfer stehen sie weiterhin in Kontakt, tauschen sich regelmäßig aus und freuen sich auf Konferenzen, die im Potsdam Science Park stattfinden. Ihr Fazit: „Der Potsdam Science Park ist ein hochmoderner und attraktiver Ort für Innovationen“, so Nicolas Hartmann. Generell empfehle er allen Gründer*innen, die Wissen aus der Forschung benötigen, den engen Kontakt zu Universitäten bzw. Forschungsinstituten zu suchen. „Wir suchen bewusst den Austausch mit Forschungseinrichtungen, weil wir glauben, dass es gerade an den deutschen Universitäten sehr viele kluge Köpfe und Ideen gibt. An der Stelle sind Einrichtungen wie Potsdam Transfer wichtig, die den Wissensfluss zwischen der Forschung und der Wirtschaft ermöglichen und Gründer*innen den nötigen Anschub geben“, erklärt Nicolas Hartmann.

Dieser Blog wird aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und des Landes Brandenburg finanziert.

Foto 1: Nicolas Hartmann © Nicolas Hartmann