Standortkarte

Der 5. Golmer Dialog – eine Nachlese

B-Pläne in Potsdam-Golm

Golm ist ein Stadtteil von Potsdam – Golm ist Brandenburgs größter internationaler Forschungs- und Innovationsstandort – Golm ist die Heimat von Familien – und viel mehr. Wie kann dieses Nebeneinander auch zukünftig funktionieren? Was müssen die beteiligten Akteure tun, damit Potsdam-Golm ein lebenswerter Wohnort mit einer funktionierenden sozialen Gemeinschaft bleibt? Wie kann zugleich eine funktionierende Infrastruktur für die rund 100 neuen kleinen, mittelständischen und größeren Unternehmen geschaffen werden, die hier in den kommenden 10 Jahren angesiedelt werden sollen?


Seit vielen Jahren verfolgen Anwohnerinnen und Anwohner Golms die Veränderungen des Stadtteils aufmerksam, aufgeschlossen und kritisch. Mit der zunehmenden Verdichtung der bebauten Flächen wächst die Komplexität der Abstimmung von Einzelmaßnahmen aufeinander. Man ist besorgt, das langjährig diskutierte Themen vom Tisch fallen könnten und die Qualität des Wohnortes darunter leiden könnte. Vielen ist es darum besonders wichtig, im Austausch zu bleiben über die Stadtentwicklung und die Qualität ihres Wohnortes. Hier möchte man selbst aktiv mitgestalten – auch deswegen, weil trotz der Schönheit des Stadtteils an vielen Stellen bereits Optimierungsbedarf besteht. Die Landeshauptstadt Potsdam kennt diese Entwicklungsthemen und tritt an verschiedenen Stellen mit Bürgern und Bürgerinnen, Forschern und Wissenschaftlerinnen in den Dialog.

Der Golmer Dialog – Informationsforum über die Entwicklungen im Potsdam Science Park

Um ein Informationsforum über die Entwicklungen im Potsdam Science Park zu schaffen lädt die Standortmanagement Golm GmbH mindestens zweimal im Jahr ein zum Golmer Dialog. Seit dem ersten Termin im März 2018 haben vier dieser Treffen stattgefunden. Am 28. Januar dieses Jahres stellten Hubert Lakenbrink, Projektleiter der ProPotsdam GmbH und Erik Wolfram, Leiter des Bereichs Stadtentwicklung der Landeshauptstadt Potsdam aktuelle Entwicklungen und Pläne für Golm vor und beantworteten Fragen von Bürgerinnen und Bürgern.

Auftakt für den neuen Technology Campus

Auf dem Feld nördlich hinter dem Supermarkt wird der Science Park um weitere 10 Hektar erweitert. Als Projektleiter der ProPotsdam GmbH steuert Hubert Lakenbrink die Entwicklung. Die Flächen des B-129 hatte die ProPotsdam GmbH 2017 für die Stadt erworben. Nun werden in den kommenden Monaten die Grundstücke erschlossen, Straßen geplant, Strom- und Wasserleitungen verlegt – dann kann es losgehen. Die Gesamtkosten für die Erschließung sind mit rund 12 Millionen Euro kalkuliert und werden im Rahmen der GRW-I Richtlinie des Ministeriums für Wirtschaft und Energie des Landes Brandenburg gefördert. Der Zuwendungsbescheid wurde im Dezember durch Wirtschaftsminister Steinmeier an die Landeshauptstadt Potsdam überreicht.

Potsdam_Science_Park-Uebergabe_Foerdermittelbescheid_Erweiterung_Technology_Campus

>> Foto: Überreichung des Zuwendungsbescheids für die Erschließung des B-129 am 13.12.2019. Im Bild v.l.n.r.: Uwe Adler, Abgeordneter im Landtag von Brandenburg | Agnes von Matuschka, Geschäftsführerin der Standortmanagement Golm GmbH |  Bernd Rubelt, Beigeordneter für Stadtentwicklung, Bauen, Wirtschaft und Umwelt der Landeshauptstadt Potsdam | Jörg Steinbach, Minister für Wirtschaft, Arbeit und Energie des Landes Brandenburg | Bert Nicke, Geschäftsführer ProPotsdam GmbH | Mike Schubert, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Potsdam. Foto: © Standortmanagement Golm GmbH, K. Esser

Voraussetzung für die Ansiedelung von Unternehmen sei, dass die Flächen entsprechend der Fördervorgaben genutzt werden. Dazu müssen mehrheitlich forschungsnahe und produzierende Unternehmen angesiedelt werden. Bewertungskriterien für einen erfolgreichen Verkauf sind u. a. die Anzahl der entstehenden Arbeitsplätze, der Mehrwert für den Wirtschaftsstandort und das prognostizierte Gewerbesteuereinkommen für die Stadt. Berücksichtigt werden soll zudem die Schaffung von Gemeinschaftsflächen, die zur Lebensqualität beitragen.
Allerdings: Entgegen der Erwartung vieler Bürgerinnen und Bürger schreibt der Bebauungsplan 129 keine konkreten Gestaltungsanforderungen vor. Einige Bürgerinnen äußern Sorge darüber, dass es hier wie in jedem beliebigen Gewerbegebiet aussehen könnte. Man wünscht sich ein stimmiges Gesamtkonzept – z. B. mit Wegen zwischen den Gebäuden, die auch am Wochenende mal zum Spaziergang einladen.

Als erstes Gebäude des neuen Quartiers ist bereits der Neubau der Universität Potsdam zu sehen. Die Bebauung der weiteren Grundstücke im Technology Campus erfolgt nun in zwei Abschnitten. Die inneren Grundstücke des Technology Campus werden in einem zweistufigen Vergabefahren zum Verkehrswert im I. und II. Quartal 2020 veräußert- erst danach gehen ab Herbst 2020 die außen liegenden Flächen in den Verkauf.

Um die Attraktivität des Gesamtbildes zu steigern, wird die Stadt die Konzepte und Entwürfe der zukünftigen Bieter sorgfältig prüfen. Die ProPotsdam GmbH versucht außerdem, im Prozess der Grundstücksvergabe gemeinsam mit der Stadt noch einige Themen aufzugreifen. So sind zum Beispiel Konzepte für Sammelstellplätze und eine Quartiersgarage für PKWs Teil der Planung. Man möchte generell verhindern, dass der Standort zugeparkt wird. Denkbar sind auch kleinere Gastronomische Angebote.

Enge Kurve, mehr Verkehr – Lösungen sind gefragt

Die Zufahrt auf das Gelände erfolgt über den Anschluss in der Karl-Liebknecht-Straße. Mit Beginn der Erschließung müssen Anrainer hier zeitweilig mit Straßensperrungen rechnen. Zukünftig soll hier eine einfache Kreuzung entstehen. Viele Anrainer bemängeln aber die enge Straßenbiegung. Vom Fahrrad müsse man hier absteigen, wenn einem ein Bus entgegenkomme. Zwei Busse kämen gar nicht erst aneinander vorbei.

Stadtteilentwicklung in Golm

Bereits 2019 wurde das Integrierte Stadtentwicklungskonzept INSEK 2035 beim Golmer Dialog vorgestellt. Inzwischen ist man viele kleine Schritte weiter – aber wo steht man eigentlich? Erik Wolfram, Leiter des Bereichs Stadtentwicklung der Landeshauptstadt Potsdam, präsentiert ein vielschichtiges Verfahren. Die Stadt arbeitet hier zugleich in vier Vertiefungsbereichen, die jetzt bereits eine sehr dynamische Entwicklung verzeichnen bzw. in denen die Dynamik in den kommenden Jahren zunehmen werde, so Wolfram. Einen dieser Bereiche bilden die Stadtteile Golm-Eiche-Bornim-Bornstedt.

Man sei dabei, dem Potsdamer Leitmotiv der “Stadt für alle” bei den Planungen Rechnung zu tragen. Die verschiedenen Einzelmaßnahmen aus dem Maßnahmeplan Golm würden dabei mit einbezogen. Themen wie die soziale Infrastruktur, direkte Fuß- und Radwegeverbindungen zwischen Golm und Eiche ein Bürgertreff für Golm, die Überprüfung der Nutzbarkeit der Alten Dorfkirche oder die Fuß- und Radwege entlang des Kuhforter Damms gingen also nicht verloren, sondern werden entsprechend zusammengefasst, um später konkrete Aktionen ableiten zu können.

Besonders die Neue Mitte sei im Fokus des Interesses, diese müsse aber natürlich auch Anknüpfungspunkte zu anderen Bereichen bieten. Vorschläge aus dem Maßnahmeplan Golm für eine funktionale Mitte, die die vier Teile des Ortes – den alten Dorfkern, das Neubaugebiet, den Universitätscampus und den Bereich der Forschungsinstitute – zusammenführen, fließen in die Konkretisierung mit ein. Erste Vorüberlegungen sollen im März im Rahmen einer Vertiefungswerkstatt vorgestellt werden. Der Versorgungsbereich mit Gastronomie, Ärztlicher Versorgung und Dienstleistern könnte bis zum Bahnhof ausgedehnt werden. Zudem gehe es darum, den Potsdam Science Park gezielt weiter mit dem Ort zu verzahnen. Zudem sollen clevere integrierte Verkehrskonzepte mit der Bebauung entwickelt werden – etwa Gastronomie in den unteren Etagen, Mobilitätsstation und Carsharing/Parkhaus auf oberen Ebenen – um eine optimale Nutzung der Flächen zu erwirken.

Untersuchungsgebiet Golm Nord

Für das Untersuchungsgebiet Golm Nord bestehe die Zielsetzung einer integrierten Lösung – also einer Mischung aus Wissenschafts-, Gewerbe- und Wohngebiet sowie Freizeitnutzung. Für das derzeit noch als Landschaftsschutzgebiet gekennzeichnete Areal muss zunächst geprüft, ob es überhaupt in die Stadtteilentwicklung mit einbezogen werden kann. Die Stadt sei zuversichtlich, dass sich eine Lösung entwickeln lasse, zunächst müssten aber alle Voraussetzungen erfüllt werden, so Wolfram. Generell sei auch die Frage zentral, wo freie Flächen eingeplant werden müssen, damit Siedlungsbereiche mit Frischluft versorgt werden. Die Landeshauptstadt erarbeitet dazu mit Wissenschaftlern eine Stadtklimakarte.

Im Hinblick auf die Mobilität bestünden Pläne, die Potsdamer Straßenbahnlinie vom Norden aus bis an den Bahnhof Golm heranzuführen, dabei handele es sich um eine langfristige perspektivische Planung. Die Nordanbindung ist im Bebauungsplan B-147 zunächst vorgesehen, hängt aber zugleich stark davon ab, was im Bereich nördlich des B-Plans 129 an Entwicklung noch kommt.

Nordanbindung

Teile der Golmer Bürgerschaft setzen sich seit Jahren mit der Möglichkeit einer Nordanbindung in Golm auseinander. Sie fordern der Bau der Nordanbindung. Während viele hier eine verkehrstechnische Erleichterung für die Stadtteile Golm und Eiche sehen, könne diese Anbindung nach Norden auch deutlich mehr Verkehr im Siedlungsgebiet bedeuten und mitunter dazu führen, dass Teile des von Norden kommenden Verkehrs quer durch Golm über Eiche weiter Richtung Innenstadt führen. Geplant werden soll hier darum mit Bedacht, auch im Hinblick auf das VU-Gebiet Golm Nord.

Termine für Bürgerinnen und Bürger

Wer sich an den INSEK-Terminen beteiligen möchte, kann am 24.02.2020 am Jugend-Workshop sowie am 05.03.2020 an der Planungswerkstatt in der Grundschule in Bornim teilnehmen (die Stadt bemüht sich darum, für diesen Termin eine Kinderbetreuung einzurichten).

Titelbild:
B-Pläne in Potsdam-Golm
Bildhinweis: DTK10 © GeoBasis-De/LGB 2017; LHP