Dr. Anne Hartwig ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im innoFSPEC-Transferlabor. © Kevin Ryl | ZIM Universität Potsdam 2023

3 Fragen an das innoFSPEC-Transferlabor: »Der Transfer von Spitzenforschung in die Praxis passiert nicht einfach so. Er muss gefördert werden.«

Das innoFSPEC-Transferlabor widmet sich dem Wissenstransfer aus der Wissenschaft in die Wirtschaft. Hier begegnen sich Forschende und Innovationsabteilungen von Industrieunternehmen, um gemeinsam die Anwendungsmöglichkeiten neuester Forschungsergebnisse zu erproben, weiterzuentwickeln und neue Produkte und Technologien zur Marktreife zu bringen. In unserem Interview erklärt Dr. Anne Hartwig, wissenschaftliche Mitarbeiterin, warum das Labor so wichtig ist, welche Transferleistungen es seit seiner Gründung 2022 in Angriff nehmen konnte und warum der Potsdam Science Park genau der richtige Standort ist.

Frau Dr. Hartwig, anders als wissenschaftliche Forschungs- und Dienstleistungslabore oder Joint-Labs widmet sich das innoFSPEC-Transferlabor primär der Translation, also der Übersetzung neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse der Universität Potsdam in die praktische Anwendung. Warum ist ein solches Labor so wichtig?

Der Transfer von Spitzenforschung in die Praxis passiert nicht einfach so. Er muss gefördert werden. Nicht alle Forschenden sind geborene Gründer:innen, wie auch Unternehmer:innen das eigene Produkt technisch nicht zwingend bis ins letzte Detail durchdringen müssen. Dass es diese Hürde zwischen akademischer Welt und Wirtschaft gibt, ist okay. Aber es heißt auch: Wir müssen uns engagieren, um beide Seiten produktiv zu vernetzen.

Mit der 2022 gegründeten Professur für Wissens- und Technologietransfer ist die Universität Potsdam die erste in Deutschland, die dem Thema Transfer auf akademischer Ebene Raum gibt. Daran knüpfen wir mit dem innoFSPEC-Transferlabor an. Unsere Angebote richten sich primär an Forschende der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam. Darüber hinaus suchen wir den Kontakt mit anderen akademischen Einrichtungen sowie mit Start-ups. Bei uns können sie die Ergebnisse ihrer Arbeit erproben, weiterentwickeln und zum Beispiel neue Produkte und Technologien zur Marktreife bringen. Dafür stellen wir ihnen unsere Laborkapazitäten zur Verfügung, aber auch unser Wissen und unser Netzwerk relevanter Unternehmen. So leisten wir einen sehr individuellen Beitrag, um den Wissens- und Technologietransfer in Potsdam zu realisieren und auszubauen. Anders als es etwa ein reiner Accelerator könnte, der Startups primär durch Beratungsleistungen und Kontakte zu potenziellen Investor:innen unterstützt, aber in der Regel keine eigenen Labore vorhält.

Auf welche Forschungsbereiche und Branchen fokussiert sich ihre Arbeit? Welche Translationen stößt das Labor aktuell an?

Aktuell unterstützen wir Forschende aus den Bereichen der Physikalischen Chemie der Universität Potsdam sowie des Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam bei der Übersetzung ihrer Forschung in die Praxis. Gemeinsam suchen wir nach neuen Anwendungsmöglichkeiten für eine spezielle Form der Raman-Spektroskopie, einem Verfahren aus der Physik. Es erlaubt, Strahlung nach bestimmten Eigenschaften wie ihrer Wellenlänge oder Energie zu zerlegen und die Wechselwirkung mit Festkörpern oder Molekülen zu analysieren.

Bisher wird diese Spektroskopie fast ausschließlich in der Astronomie eingesetzt. Mit ihrer Hilfe bestimmen Physiker:innen die Eigenschaften ferner Himmelskörper, etwa ihre chemische Zusammensetzung oder Temperatur. Die Arbeit im Transferlabor zeigt, dass dieses Spektroskopie-Verfahren auch in ganz anderen Bereichen von Nutzen sein können – etwa in der Medizin, wo sie helfen können, Hautkrebs erfolgreicher zu erkennen.

In einem anderen Projekt ermöglichen wir die Herstellung eines neuartigen Wasserfilters, der in der Lage sein wird, sehr kleine Rückstände von Antibiotika aufzufangen, die selbst in modernen Klärwerken bisher nicht herausgefiltert werden. Mit unserer Arbeit tragen wir also auch dazu bei, ganz neue Potenziale bewährter Technologien zu entdecken. Dass wir auf diese Weise helfen können, das Leben der Menschen nachhaltig zu verbessern, ist sehr ermutigend.

Das innoFSPEC-Transferlabor hat seinen Sitz im Potsdam Science Park. Welche Vorteile bietet Ihnen der Standort für Ihre Arbeit?

Durch unsere enge Verbindung mit der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität war der Potsdam Science Park von Beginn an eine naheliegende Wahl, die Fakultät liegt hier direkt gegenüber auf der anderen Seite der Bahn. Darüber hinaus stärkt der Standort uns spürbar in unserer täglichen Arbeit. Wissens- und Technologietransfer passieren und funktionieren nicht isoliert, sondern nur dort, wo bereits starke Netzwerke vorhanden sind. Die Nähe zu den Fraunhofer- und Max-Planck-Instituten, der Anschluss an die lokale Start-up-Community und die Veranstaltungen des Standortmanagements wie die jährliche PSP Conference helfen uns, immer wieder neue Verbindungen zu knüpfen. Die Möglichkeiten, die sich uns hier als Transferlabor bieten, sind groß.

Frau Dr. Hartwig, wir danken Ihnen für das Gespräch.

 

Dieser Blog und die Projekte der Standortmanagement Golm GmbH im Potsdam Science Park werden aus Mitteln der Europäischn Union und des Landes Brandenburg finanziert.