3 Fragen an DiGOS: „Die Welt ein bisschen sicherer machen“ – mit Laserimpulsen gegen Weltraumschrott

7.000 – 28.000 km/h – auf diese sagenhaften Geschwindigkeiten kommen einige Satelliten im Weltraum. In Höhen von 100 km bis 23.000 km umkreisen sie die Erde. Ihre Position Millimeter genau zu erfassen, ist da eine echte Herausforderung. Die Firma DiGOS aus Potsdam gehört zu den wenigen Unternehmen weltweit, die dazu in der Lage sind. Damit sind sie so erfolgreich, dass sie auf dem Technology Campus im Potsdam Science Park ein eigenes Gebäude errichten wollen. Geschäftsführer André Kloth erläutert, wie sie es mit dem Satellite Laser Ranging (SLR) schaffen, Satelliten millimetergenau zu erfassen und wie sie einen Beitrag für weniger Weltraumschrott leisten wollen.

Herr Kloth, Satelliten umkreisen in mehreren tausend Kilometern Höhe die Erde und bewegen sich rasant schnell. Wie entstand die Idee, deren Position erfassen zu wollen und dazu ein eigenes Unternehmen zu gründen?

Tatsächlich entstand das Thema durch einen Zufall. Ich hatte Informatik an der Universität Potsdam studiert und wollte meine IT-Fähigkeiten für reale Probleme nutzen. Das fand ich spannender als zum Beispiel Apps. Das GeoForschungsZentrum (GFZ) in Potsdam hatte damals, 2011, die Absicht, ihre Laserstation zu modernisieren, mit der sie die Flugbahn von Satelliten beobachtet haben. Jens Steinborn und ich haben das Kontrollsystem der Station auf Basis eines Echtzeit-Linux modernisiert. Danach erhielten wir einen Folgeauftrag aus Finnland, wo man begeistert war von dem, was wir am GFZ erreicht hatten. So kam die Idee, eine eigene Firma zu gründen, und 2014 entstand dann die DiGOS als Ausgründung des GFZ.

Wie genau schaffen es die Geräte, die Position der Satelliten genau zu erfassen, und wie würden Sie Laien das Satellite Laser Ranging (SLR) erklären?

Vereinfacht gesagt, werden hier Laserimpulse ins All in Richtung der Satelliten geschickt und das reflektierte Signal wird dann am Boden gemessen. Diese Laserimpulse sind so schnell, dass sie im Bruchteil einer Sekunde den Hin- und Rückweg zu einem 20.000 Kilometer hohen Satelliten schaffen. Aus der Dauer vom Absenden des Laserimpulses bis zur Messung des reflektierten Lichts ermitteln wir die Entfernung zum Satelliten. Wir schicken Tausende davon ab, um präzise Entfernungsdaten zu erhalten, und können Positionen dadurch millimetergenau erfassen. Die grundlegende Technologie gibt es zwar seit den 60er Jahren, aber sie erlebt gerade eine Renaissance. Die Forschung hat hier enorme Verbesserungen gebracht, so dass wir bei den Messungen höhere Genauigkeiten erzielen können. Und ich bin stolz, sagen zu können, dass DiGOS zu den wenigen Firmen weltweit gehört, die dazu in der Lage sind, schlüsselfertige SLR-Bodenstationen zu bauen. Bis jetzt sind wir auch ziemlich erfolgreich damit und konnten bereits Laserstationen für die Europäische Weltraumorganisation ESA und die Japanische Weltraumorganisation JAXA umsetzen. So konnten wir unser Geschäft ausbauen und inzwischen auf rund 25 Mitarbeiter:innen anwachsen. Durch das Wachstum benötigen wir mehr Platz, darum soll im Potsdam Science Park ein eigenes Gebäude auf dem Technology Campus entstehen. Der Plan ist, dort Platz für 50 bis 60 Mitarbeitende auf 1.000 Quadratmetern zu haben. 2023 sollen die Planungen beginnen, ungefähr 2026 soll der Einzug erfolgen.

Was möchte DiGOS noch erreichen?

Uns motiviert zum einen die Herausforderung, in einem technologisch anspruchsvollen und neuen Feld zu arbeiten. Zum anderen ist die Motivation im Team ganz klar die, dass wir die Welt ein kleines bisschen sicherer machen wollen. Darum gehört das Thema Weltraumschrott zu den Problematiken, die wir angehen wollen und auch angehen können. Die Europäische Weltraumagentur ESA schätzt, dass derzeit rund 8.000 Tonnen Weltraumschrott durchs All fliegen – mit Geschwindigkeiten von mehreren zehntausend Stundenkilometern. Sie können millionenteure Satelliten zerstören und so neuen Schrott produzieren. Das ist ein Problem, das zunehmend größer wird. Wir als DiGOS können das Problem nicht beheben, aber einen Beitrag zu dessen Lösung leisten. Das motiviert uns.

Herr Kloth, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Dieser Blog und die Projekte der Standortmanagement Golm GmbH im Potsdam Science Park werden aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und des Landes Brandenburg finanziert.

Bildnachweis: André Kloth © DiGOS Potsdam GmbH