Innovationsstandort Potsdam – Wie in der Landeshauptstadt Spitzenforschung zu Spitzenwirtschaft wird

Kooperation ist ein Motor für wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Fortschritt. Nirgendwo zeigt sich dies so deutlich wie in den Innovations-Hubs unserer Zeit. Bestes Beispiel: Die Brandenburgische Landeshauptstadt Potsdam – eine Stadt des Innovationstransfers.

Innovationen waren immer eng mit den Orten ihrer Entstehung verknüpft. In der Darstellung bedeutender Wissenschaftler:innen und Unternehmer:innen dominiert weiter das Bild des Ausnahmetalents oder Genies, das sich allein – womöglich gegen Widerstände – durchsetzt. Dabei vergessen wir häufig, dass Fortschritt oft das Ergebnis einer ganz anderen menschlichen Fähigkeit ist: Kollaboration. Neue Technologien und Produkte entstehen schon immer vor allem in sogenannten Hubs (Englisch für Zentrum, Drehscheibe oder Knotenpunkt) – Städten oder Regionen, in denen sich Universitäten, wissenschaftliche Institute, etablierte Unternehmen und Startups inhaltlich und räumlich begegnen, austauschen und zusammenarbeiten. Durch ihre einzigartige Vernetzungsleistung sind Hubs darüber hinaus lokale Wirtschaftsmotoren. Damit sichern und fördern sie nicht nur den eigenen Wohlstand, sondern auch den ihrer Region. Wer heute einen solchen lebendigen Innovationsstandort erleben möchte, muss nicht bis nach Shenzen in China oder San Francisco in den USA schauen. Es lohnt sich der Blick in die Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg, genauer gesagt: nach Potsdam.

Hohe Wissenschaftsdichte und Schwerpunktsetzung mit Zukunft

Seit einigen Jahren gehört die brandenburgische Landeshauptstadt verlässlich zu den Städten Deutschlands mit der größten Wissenschaftsdichte pro Einwohner:in. So finden sich in Potsdam über 40 wissenschaftliche Institute sowohl der Universität Potsdam als auch namhafte Forschungseinrichtungen der Fraunhofer- oder der Max-Planck-Gesellschaft und der Leibniz- und der Helmholtz-Gemeinschaft. Gemeinsam prägen sie die Demografie der Stadt. Mehr als 10.000 der über 182.000 Einwohner:innen Potsdams arbeiten in einer wissenschaftlichen Einrichtung. Insgesamt leben und lernen hier über 25.000 Studierende und Wissenschaftler:innen aus aller Welt bringen Spitzenforschung in die Stadt.

Die fachliche Bandbreite der angesiedelten Institutionen reicht von den Life Sciences und Biotechnologie über Erd- und Umweltwissenschaften oder Astrophysik bis hin zu Film- und Medienproduktion und Städtebau. Die Stellung der Stadt Potsdam als Hub für Innovationen basiert aber auch auf den Schwerpunkten, die sich aktuell innerhalb dieses breiten Spektrums etablieren: So ist Potsdam, neben seiner wachsenden Bedeutung als Innovationsstandort für Life Sciences und Biotechnologie, ein Treiber in den Bereichen Nachhaltigkeit und Digitalisierung, zwei Themen, die besonders in den kommenden Jahren von Bedeutung sein werden.

Der Wissenschaftspark Albert Einstein etwa beherbergt mit dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und dem Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit (Research Institute for Sustainability, RIFS) gleich zwei Institute, die sich Fragen des Klimawandels und einer nachhaltigen Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft widmen. Zugleich sucht im Park auf dem Telegrafenberg das Helmholtz-Zentrum Potsdam Deutsches GeoForschungsZentrum (GFZ) nach neuen Möglichkeiten, dem globalen Wandel zu begegnen, Naturgefahren zu verstehen, ihre Risiken zu mindern und unseren Einfluss auf unsere Erde zu bewerten.

In der Digitalisierung prägen übergreifende Initiativen den Standort. So ist seit 2021 klar: Potsdam ist Smart City Modellkommune. Mit der Aufnahme der Stadt in das »Europäische Laboratorium für Lernen und Intelligente Systeme« (ELLIS) nimmt es zudem eine gestaltende Rolle im Bereich Künstliche Intelligenz ein. Die neue ELLIS-Einheit, bestehend aus dem Hasso-Plattner-Institut, der Universität Potsdam und dem Zentrum für KI in der Gesundheitsforschung am Robert Koch-Institut befasst sich mit den Anwendungsmöglichkeiten von KI in den Bereichen Energie, Medizin, Genomik und Infektionskrankheiten sowie effizienten und skalierbaren Methoden für KI-Algorithmen. Als MediaTech Hub Potsdam gehört die Brandenburgische Landeshauptstadt zu den deutschlandweit zwölf von der Bundesregierung im Rahmen der Digital Hub Initiative ausgezeichneten Innovationsstandorten.

Wissenschaft wird Wirtschaft

Potsdam ist ein Ort des lebendigen Wissens- und Technologietransfers. Durch die konsequente Ausrichtung auf die Verknüpfung von Wissenschaft, Bildung und Wirtschaft übersetzen sich Innovationsleistungen der lokalen Spitzenforschung regelmäßig in unternehmerisches Momentum. Einerseits ziehen neue Entwicklungen aus der Wissenschaft etablierte Unternehmen an. Andererseits finden neue Ideen auch über wissenschaftsnahe Startups oder Ausgründungen ihren Weg in den Markt. Darüber hinaus ist die Universitätsstadt für viele Arbeitgeber als Talentpool attraktiv.

Im aktuellen Gründungsradar 2022 – einem der wichtigsten Gradmesser für den Wissens- und Technologietransfer von Hochschulen in Deutschland – erreicht die Universität Potsdam den dritten Platz. In der Kategorie der »großen Hochschulen« mit über 15.000 Studierenden liegt sie in der Metropol-Region Berlin/Brandenburg auf Platz eins, genauso wie bundesweit in der Kategorie der nicht-technischen Hochschulen.

Mit der HPI School of Entrepreneurship des Hasso-Plattner-Instituts verfügt Potsdam zudem über eine eigene Business School, die ihre Absolvent:innen befähigt, ihre Ideen in nachhaltige, skalierbare und kundenorientierte Produkten und Startups zu überführen.

Zusätzlich entsteht im Stadtteil Golm rund um den Potsdam Science Park, Brandenburgs größten Wissenschaftspark, mit der Rahmenplanung »Golm 2040« ein innovatives Stadtquartier. An diesem Zukunftsort arbeiten Forschende und Unternehmen gemeinsam an den Lösungen für die Wirtschaft von Morgen. Mit der biocyc GmbH und der RIPAC-LABOR GmbH investieren aktuell etwa gleich zwei der im Park angesiedelten Unternehmen in den Bau neuer Gebäude und Räumlichkeiten in Golm. Auch die DiGOS Potsdam GmbH, eine Ausgründung aus dem GFZ, wird bald einen Neubau als Teil des neuen Technology Campus errichten. Und mit den Innovationszentren GO:IN und GO:IN 2 engagiert sich die Landeshauptstadt mit der kommunalen Technologie- und Gewerbezentren Potsdam GmbH erfolgreich für die Ansiedlung weiterer Unternehmen und Startups. So planen verschiedene Immobilienentwickler derzeit weitere 78.000 m2 Büro- und Laborflächen – wie etwa den vierteiligen Komplex QUADRATUM POTSDAM, mit dessen Bau die HEGEMANN-REINERS GRUPPE 2023 beginnen möchte.

Wie unter einem Brennglas zeigt sich im Potsdam Science Park, wie Spitzenforschung, Wirtschaft und eine engagierte Startup-Kultur einander befruchten. Einerseits ist der Park, in dem sich insgesamt fünf Institute der Max-Planck- und Fraunhofer-Gesellschaft in unmittelbarer Nachbarschaft zum größten Campus der Universität Potsdam finden, ein wichtiger Standort in den Bereichen Life Sciences, Biotechnologie, Polymerforschung und Analytik. Andererseits sind auch wissenschaftsnahe Unternehmen ein zentraler Bestandteil des Potsdam Science Parks. Bislang haben sich bereits rund 35 Unternehmen und Startups für den Park entschieden, ob als Spin-offs angesiedelter Forschungsinstitute, Ausgründungen aus der Universität oder als Neuankömmlinge, die hier den nötigen Raum für ihre intensive Gründungs- und Wachstumsphase finden. Dank der einzigartigen Nähe zu Instituten und anderen Organisationen finden sie hier eine lebendige vernetzte Campus-Kultur.

Entwicklungsmotor für die Region und darüber hinaus

Am 25. und 26. Mai 2023 wird Potsdam seine Bedeutung als Innovationsstandort erneut unter Beweis stellen. Dann werden das Ministerium für Finanzen und für Europa des Landes Brandenburg und der Potsdam Science Park gemeinsam das »Potsdam International Forum – Innovation Hubs for Regional Development: Experiences, Challenges, Solutions« ausrichten. Das zweitägige Event wird Entscheidungsträger:innen und Expert:innen aus Wissenschaftsparks und Innovationsstandorten in ganz Europa sowie Teilnehmer:innen aus dem öffentlichen und privaten Sektor und aus gemeinnützigen Organisationen zusammenbringen. Gemeinsam werden sie sich aktiv über den Aufbau und Erfolgsfaktoren regionaler Innovations-Ökosysteme und dynamischer Communities, Soft-Landing-Programme und Wissenschaftsparks als Impulsgeber für Innovationssysteme sowie das übergreifende Thema Nachhaltigkeit austauschen; auch die aktuelle Innovationsstrategie und aktuelle Förderprogramme der EU sowie regionale und internationale Kooperationspotenziale werden Thema sein. Bei dieser Gelegenheit wird Potsdam einmal mehr zeigen: Fortschritt braucht interdisziplinären Austausch über alle Ebenen hinweg – regional, überregional und international.

Dieser Blog und die Projekte der Standortmanagement Golm GmbH im Potsdam Science Park werden aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und des Landes Brandenburg finanziert.