RIPAC-LABOR – die Neuaufstellung des Erfolgsunternehmens

Die Firma RIPAC-LABOR gehört zu den erfolgreichsten Unternehmen im Potsdam Science Park. Nach über 18 Jahren als Geschäftsführerin übergibt die erfolgreiche Unternehmensgründerin und Unternehmerin Dagmar Köhler-Repp nun die Geschäftsführung an Heiko Rüdiger. Der erfahrene Manager will RIPAC-LABOR mit Hilfe des Mutterkonzerns Dopharma künftig stärker international ausrichten.

Noch ist es recht beschaulich auf dem Gelände neben dem Institut für Informatik im Potsdam Science Park. In der Ferne erstrecken sich Wiesen und Felder, gelegentlich huscht eine Zauneidechse oder Blindschleiche durch das Gras. Zwischen neun und zehn Uhr kommen Studentinnen und Studenten mit dem Rad oder zu Fuß und strömen in das Gebäude. Doch an diesem Teil des Potsdam Science Parks wird sich bald vieles verändern. Denn es beginnen bereits die Bauarbeiten für weitere Gebäude. Hier soll nämlich der Technology Campus entstehen. Mit 15 Gebäuden auf zehn Hektar ist das die größte Erweiterung des Potsdam Science Park, die derzeit stattfindet. Eine Besonderheit: Zu den Unternehmen, die hier ihren Bau planen, gehört auch eine Firma, die bereits im Potsdam Science Park ihre Firmengeschichte begann und bis dato zu den erfolgreichsten Unternehmen des Standorts gehört: die RIPAC-LABOR GmbH.

Erfolgsgeschichte made in Potsdam-Golm: RIPAC-LABOR

Die Planungen für den Neubau sind bereits im vollen Gange. 2023 sollen die Bauarbeiten für den neuen Firmensitz von RIPAC-LABOR abgeschlossen sein. Rund 100 Mitarbeiter:innen werden dann dort arbeiten, so die Pläne. Die Ziele sind ambitioniert für das Unternehmen, das 2003 von Dagmar Köhler-Repp gegründet wurde und aktuell rund 40 Mitarbeiter:innen beschäftigt. RIPAC-LABOR hat sich dabei auf einen Bereich spezialisiert, der aus der Perspektive der Pharmariesen eine Nische darstellt. Es geht um Bestandsimpfstoffe für Nutztiere. Diese werden weitestgehend manuell hergestellt. Das Herstellungsverfahren ist nicht mit der Massenproduktion von Standardimpfstoffen zu vergleichen. Denn normalerweise dauert es acht bis zehn Jahre, bis ein Impfstoff nach der Entwicklung seinen Weg durch die langwierigen Zulassungsverfahren findet. Bestandsimpfstoffe kürzen diesen Prozess ab. RIPAC-LABOR kann einen bestandsspezifischen Impfstoff in sechs bis acht Wochen herstellen. Dazu lässt sich das Unternehmen Proben kranker Tiere zuschicken, isoliert die Erreger, inaktiviert sie und stellt daraus einen spezifischen Impfstoff her. Bestandsimpfstoffe dürfen allerdings nur in dem Tierbestand eingesetzt werden, aus dem die Erreger auch stammen. So sind sie sehr schnell und spezifisch einsetzbar und können helfen, den Einsatz von Antibiotika zu minimieren.

Eine Frau, eine Gründungsgeschichte und ein beeindruckender Wachstumskurs

Seit der Gründung konnte RIPAC-LABOR diese Arbeit perfektionieren und den Kundenstamm ausbauen. „Rein wissenschaftlich war unser Team von Beginn an sehr gut aufgestellt. Herausfordernd war eher, aus den Vollblutwissenschaftler:innen auch unternehmerisch agierende Mitarbeiter:innen zu machen“, erinnert sich Köhler-Repp in einem Interview, das wir 2020 mit ihr geführt haben. Die Unternehmerin schaffte es, aus dem Nichts RIPAC-LABOR ins Leben zu rufen und erfolgreich zu machen. Während sich das Unternehmen zu Beginn auf Bakterien als Erreger spezialisierte, deckt es inzwischen auch die Produktion von Bestandsimpfstoffen mit Viren ab. Im Laufe der Zeit wurde ebenso der Bereich der veterinärmedizinischen Diagnostik ausgebaut, dazu neue Verfahren implementiert und eine Stammsammlung von rund 45.000 Erregern aufgebaut. Der Erfolg war gewissermaßen unaufhaltsam. Dementsprechend begehrter wurde die Firma natürlich für weitere Kooperationen. 2017 fasste Dagmar Köhler-Repp eine strategische Entscheidung und verkaufte 65 % der Firmenanteile an die Dopharma International B.V., um die Leistungen von RIPAC-LABOR auch verstärkt auf dem europäischen Markt anbieten zu können.

Wechsel an der Unternehmensspitze und Neuausrichtung zum Produzenten für Europa

Was folgte, war nicht weniger als eine neue Ausrichtung des Unternehmens. Dagmar Köhler-Repp und Dopharma vereinbarten deshalb, dass Dopharma 2021 auch die übrigen Firmenanteile an RIPAC-LABOR übernimmt. Es folgte auch ein Wechsel der Geschäftsführung. Die Leitung übernahm bereits Ende 2020 Heiko Rüdiger, ein erfahrener Manager aus der Pharmaindustrie. Der studierte Veterinärmediziner leitete viele Jahre den internationalen Vertrieb eines Impfstoffherstellers und hatte sich auch auf den Bereich der Tiergesundheit spezialisiert. Sein Ziel ist klar: Er will das erfolgreiche Unternehmen stärker international positionieren und das Qualitätsmanagement weiter optimieren und an aktuelle Herausforderungen anpassen. Dabei wolle er die Pfade von Dagmar Köhler-Repp nutzen und ausbauen. „Ich habe eine hohe Wertschätzung für das, was Frau Köhler-Repp hier aufgebaut hat“, so Heiko Rüdiger. „RIPAC-LABOR verdankt ihr unendlich viel, und wir wollen ihre großartige Arbeit dank der Integration in die Dopharma-Gruppe auf die nächste Stufe heben und einen europäischen Markt bedienen.“

Die Zukunftspläne für RIPAC-LABOR

Die Ziele sind hoch, schließlich ist RIPAC-LABOR bereits seit fast 19 Jahren erfolgreich am Markt. Heiko Rüdiger sieht hier die Chancen vor allem darin, Teil eines Unternehmensverbunds zu sein: „Dopharma hat eine starke internationale Ausrichtung und ist auf dem europäischen Markt erfolgreich“, erklärt Geschäftsführer Heiko Rüdiger. „Das hilft uns angesichts der Tatsache, dass es auf europäischer Ebene seit diesem Jahr Regelungen für Bestandsimpfstoffe gibt. Das gab es vorher nur auf nationaler Ebene. Das gibt uns die Möglichkeit, auch in anderen Ländern zu wachsen. Mit dem Unternehmensverbund haben wir hier bereits die richtigen Kontakte, um das auszubauen.“

Einen zweiten Schwerpunkt sieht der gebürtige Brandenburger Heiko Rüdiger, der über fast zwei Jahrzehnte in Dessau arbeitete, in dem Aufbau eines neuen Qualitätsmanagements. „Durch die neuen Regularien gelten für Bestandsimpfstoffe höchste Anforderungen an die Produktionsbedingungen. Wir sprechen hier von der so genannten Good Manufacturing Practice. Die neue Gesetzgebung ist hier sehr nah dran, darum müssen wir uns neu aufstellen“, erklärt er. Darum plant er, die Abteilung des Qualitätsmanagements weiter auszubauen, in der bis April 2022 bereits vier Mitarbeiter:innen angestellt waren. Zudem wolle er eine stärkere Spezialisierung der Mitarbeiter:innen anstreben. „Für kleinere Unternehmen sind übergreifende Funktionen sinnvoll. So gab es in der Vergangenheit Kolleg:innen, die sowohl in der Produktion als auch in der Diagnostik gearbeitet haben. Für das Wachstum und die Erfüllung der gesetzlichen Qualitätsanforderungen können wir das nicht mehr machen, sondern benötigen bei den Aufgaben mehr Spezialisierung.“

Herausragende Expertise und internationales Umfeld im Potsdam Science Park – beste Voraussetzung für Wachstumskurs

Für diese Zukunftspläne ist der Potsdam Science Park der richtige Standort, da ist sich Heiko Rüdiger sicher: „Was wir vorhaben, ist eine Ausweitung dessen, was wir jetzt machen. Fakt ist: Wir brauchen für die Spezialisierung herausragende Fachkräfte. Aus der Unternehmenshistorie heraus ist der Potsdam Science Park hier natürlich ideal. Der Standort hat ein äußerst attraktives, akademisches Umfeld und ist gut erreichbar. Der internationale Charakter passt gut zu dem, was wir vorhaben“, so Heiko Rüdiger. Für die Zukunft wünsche er sich dann noch, die wissenschaftliche Vernetzung im Potsdam Science Park auszubauen. Heiko Rüdiger: „Im Bereich der Biotechnologien erleben wir gerade ein rasantes Tempo an Entwicklungen. Hier wird sich viel verändern, und wir wollen natürlich davon profitieren und etwa neue diagnostische Methoden bei uns integrieren und den Boom der Branche nutzen, um weiter zu wachsen.“

Hinzu kommt, dass es auch für ihn persönlich ein gutes Gefühl ist, am Potsdam Science Park zu arbeiten. „Ich bin in Fürstenwalde groß geworden und im Herzen Brandenburger“, erklärt der Geschäftsführer Rüdiger und ergänzt: „Es fühlt sich an, wie nach Hause zu kommen.“ Und schon bald wird auch RIPAC-LABOR ein neues Zuhause haben, unweit des Instituts für Informatik, wo in den nächsten Jahren der Technology Campus viele innovative Unternehmen und Forschungseinrichtungen beheimaten wird.

Dieser Blog und die Projekte der Standortmanagement Golm GmbH im Potsdam Science Park werden aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und des Landes Brandenburg finanziert.

Bildnachweis: Heiko Rüdiger (c) Julia Hinz