3 Fragen an die Fakultät für Gesundheitswissenschaften Brandenburg – bessere Therapien für Demenz, Diabetes, Arthrose & Co.

Themen wie Demenz, Arthrose oder Herzinsuffizienz gewinnen in einer älter werdenden Gesellschaft an Bedeutung. Gleichzeitig wächst der Forschungsbedarf in den Feldern eHealth oder Epigenetik. In Brandenburg haben sich die Universität Potsdam, die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg und die Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor Fontane zu einer Fakultät für Gesundheitswissenschaften zusammengeschlossen, um diese Themen anzugehen. Im Interview sprechen Geschäftsführerin Dr. Nathalie Dehne und Prof. Notger Müller, Professor für degenerative und chronische Erkrankungen mit dem Schwerpunkt Bewegung, über die Fakultät, warum es die Gesundheitswissenschaften braucht und warum der Potsdam Science Park einer von drei idealen Standorten ist.

Herr Prof. Müller, Sie waren Oberarzt für Neurologie in Magdeburg und haben sich ab 2012 als Professor für Neuroprotektion am Deutschen Zentrum für neurodegenerative Erkrankungen unter anderem mit der Prävention von Demenz beschäftigt. Was wollen Sie in den nächsten Jahren in Potsdam erreichen?

Mein persönliches Forschungsziel ist schon länger die Prävention von neurodegenerativen Erkrankungen. Die Wissenschaft hat hier deutlich gezeigt, dass die Kombination von Bewegung und kognitiver Herausforderung einen großen Einfluss auf das Gehirn hat. Bei Studien haben wir allerdings immer das Problem, dass wir nur eine gewisse Bevölkerungsschicht erreichen, die oft schon viel für die Gesundheit tut. Deshalb wollen wir nicht nur erforschen, welche Maßnahme die beste ist, sondern erreichen, dass sich die Menschen auch an einen gesunden Lebensstil halten. Dazu führen wir erste Studien vor Ort in Brandenburg durch und beobachten Leute über einen längeren Zeitraum. Daraus wollen wir Ideen entwickeln, wie man nachhaltig das Leben verbessert, einen gesunden Lebensstil pflegt und auch dementsprechende Strukturen schafft. Dazu gehören etwa Methoden, wie man Trainings zuhause durchführen kann, denn nicht jeder kann Sportstätten aufsuchen. Auch die Entwicklung von Technik und Softwareanwendungen beispielsweise für die Reha nach Schlaganfällen gehört dazu. Dabei liegt unser Hauptaugenmerk darauf, große Teile der Bevölkerung zu erreichen und nicht mehr nur Forschung für den Elfenbeinturm zu betreiben. Mich persönlich treibt dabei der Wunsch an, auch etwas für die Gesundheit der Menschen zu erreichen. Wenn ich in Rente gehe, will ich etwas getan haben, was den Menschen geholfen hat und nicht nur meiner Karriere.

Frau Dr. Dehne, warum ist es aus Ihrer Sicht sinnvoll, dass sich die drei Trägerhochschulen zu einer Fakultät für Gesundheitswissenschaften zusammenschließen und Wissen in einer Fakultät bündeln?

Die Struktur mit drei Trägeruniversitäten ist sehr besonders. Alle drei Hochschulen Brandenburgs beschäftigen sich schon länger mit gesundheitswissenschaftlichen Themen, trotzdem spielte dieses Feld in keiner der Hochschulen bisher eine zentrale Rolle. Gesundheitswissenschaft, wie wir sie definieren, enthält auch die Medizin, wird aber sonst oft als Begleitwissenschaft neben der Medizin verortet. Es geht um viel mehr: Es umfasst die Wissenschaft über Gesundheitsthemen, aber auch Wissenschaften wie Biotechnologie, Architektur oder andere Fächer, die einen Beitrag dazu leisten, die Gesundheit aller zu verbessern. Im Wesentlichen soll die Fakultät für Gesundheitswissenschaften eine Plattform bieten, über die die gesundheitswissenschaftlichen Fächer gemeinsam agieren. Die Idee ist zudem, gemeinsame Studienangebote mit der Forschung zusammen zu denken. Das Oberthema ist Gesundheit und Medizin des Alterns. Diese Fragen spiele auch regional eine große Rolle.

Die Organisation der Fakultät über drei Hochschulen gibt es sonst nirgends. Wie ordnet sich die Fakultät für Gesundheitswissenschaften deutschlandweit ein und warum ist der Potsdam Science Park der richtige Standort für dieses Vorhaben?

Die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Forschung über Grenzen hinweg selbst ist nicht revolutionär. Unsere Besonderheit ist aber, dass wir das auch in die Studiengänge integrieren. In anderen Regionen, die ähnlich wie Brandenburg große Flächen haben, gibt es durchaus regionale Forschungs- und Versorgungsnetzwerke. Das ins Studium und auch in die Lehre zu integrieren, ist aber einzigartig. Man muss nicht alles überall aufbauen, sondern kann die Grenzen der Universitäten überwinden und gemeinsame Studiengänge und Forschung etablieren. Zum Teil wird der Aufbau der Lehre an der neuen Fakultät durch Ausbildungsforschung begleitet, um Lehre für alle auch digital möglich zu machen. Ein großer Schwerpunkt wird auch an der Universität Potsdam und somit im Potsdam Science Park liegen. Die Vorteile des Standorts in Potsdam-Golm sehen wir vor allem in der unglaublichen Bündelung von Expertise: die Max-Planck-Institute, die Fraunhofer-Institute, dann die gemeinsame Professur, die Universität Potsdam und die vielen Unternehmen. Es geht in der Fakultät für Gesundheitswissenschaften auch um die Umsetzung in die Versorgungsrealität, da geht es immer auch um die Entwicklung von Produkten. Also um Forschung aber auch den Transfer in mögliche Wirtschaftsbereiche, daher schätzen wir die Flächen für mögliche Startup-Gründungen in direkter Nähe. Uns ist es sehr wichtig, auch mit anderen Professuren und Kollegen aus anderen Fachbereichen zusammenzuarbeiten, daher haben wir die Hoffnung, dass immer mehr von ihnen von anderen Standorten nach Potsdam-Golm kommen und der Potsdam Science Park langfristig ein wichtiger Standort für Forschung in Brandenburg wird.

Frau Dr. Dehne, Herr Prof. Müller, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Dieser Blog und die Projekte der Standortmanagement Golm GmbH im Potsdam Science Park werden aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und des Landes Brandenburg finanziert.

Bildnachweis: Dr. Nathalie Dehne, Geschäftsführerin der Fakultät für Gesundheitswissenschaften Brandenburg © Standortmanagement Golm GmbH/Karen Esser