3 Fragen an Molzym: „Unser Ziel ist es, die Zeit für die DNA-Analyse bei der Sepsisdiagnostik von 24 auf vier Stunden zu minimieren“

Im Fachgebiet der molekularen Diagnostik geht es um die Analyse des Erbguts. Die Verfahren und Methoden sind äußerst komplex, weil die DNA selbst sehr komplex ist und von anderen Molekülen isoliert werden muss. Das Unternehmen Molzym mit Hauptsitz in Bremen bietet in diesem Bereich Lösungen für eine große Bandbreite an Erregern von Infektionskrankheiten. Im Potsdam Science Park forschen sie nun daran, die Molekulare Diagnostik im Bereich der Sepsis, auch Blutvergiftung genannt, für eine gezielte Therapie entscheidend zu beschleunigen.

Herr Dr. Lutzenberger, die molekulare Diagnostik ist vor allem im Bereich der Krebstherapien bekannt. Woran arbeitet Molzym in diesem spezialisierten Gebiet?

Molzym bietet innovative Produkte, um die DNA eines Organismus, sprich eines Erregers, zu isolieren und identifizieren. Wir entwickeln dabei neue Verfahren, die die molekulare Diagnose von Infektionskrankheiten, die durch Bakterien und Pilze ausgelöst werden, ermöglichen und erleichtern. Wie wichtig unsere Arbeit ist, lässt sich recht gut am Beispiel der Sepsis erklären, auf die wir uns bei Molzym im Potsdam Science Park spezialisiert haben. Laut Schätzungen sterben jedes Jahr weltweit elf Millionen Menschen an diesem lebensbedrohlichen Zustand – sie gilt als häufigste Todesursache bei Infektionskrankheiten. Nach einer Infektion sinkt die Überlebenschance stündlich, deshalb ist eine schnelle und vor allem wirksame Medikation entscheidend. Die Ursachen einer Sepsis können Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten sein. Die Auslöser der Erkrankung und die Erreger sind dabei sehr verschieden. Wir können mit unseren molekularen Lösungen und Produkten die Diagnose maßgeblich verbessern. Auftragslabore und Kliniken bekommen dabei von uns entwickelte Gerätschaften und Werkzeuge, mit denen sie bei einer Probe die DNA des Erregers spezifisch isolieren können. Die menschliche DNA wird dabei vorab entfernt. Damit sind Labore in der Lage, die Erreger-DNA entscheidend sensitiver nachzuweisen und den Erreger schneller zu identifizieren. Eine Anreicherung der Erreger über Kulturmedien, wie es bislang üblich ist, entfällt. Die Ärzt:innen können daraufhin die Behandlung schneller individuell für die Patient:innen gestalten und damit den Keim bekämpfen. Das ist sehr wichtig, weil es viele verschiedene Antibiotika gibt und nicht jedes gleichermaßen für jeden Erreger wirkt.

Molzym ist nun seit 2003 am Markt und hat seinen Hauptstandort in Bremen. Warum hat sich das Unternehmen entschieden, 2020 einen weiteren Standort im Potsdam Science Park zu eröffnen?

Für ein Unternehmen der Biotechnologie ist der Potsdam Science Park als Standort natürlich sehr attraktiv. Die wissenschaftliche Dynamik ist hier in diesem Bereich sehr hoch, wir haben die Nähe zur Hauptstadtregion und dementsprechend zu anderen Biotechnologiezentren in und um Berlin. Von diesem Austausch und der Reichweite wollen wir gerne profitieren. Einer der Hauptgründe war zudem, dass wir mit dem Fraunhofer Institut für Zelltherapie und Immunologie, Institutsteil Bioanalytik und Bioprozesse IZI-BB an einem gemeinsamen Projekt mit dem Namen AutoSepT arbeiten, das die Analytik bei der Diagnose einer Sepsis auf nie da gewesene Weise beschleunigen könnte. Unser Ziel ist es, die Zeit für die DNA-Analyse bei der Sepsisdiagnostik von 24 auf circa vier Stunden zu minimieren. Die Zeit, die wir dabei einsparen, kann viele Leben retten und die Überlebenschancen der Betroffenen signifikant erhöhen. Dieses Verbundprojekt ermöglicht es uns, auf die Expertise des Fraunhofer IZI-BB zurückzugreifen, das seit 1998 bioanalytische und diagnostische Lösungen für Anwendungen in verschiedenen Gebieten der Medizin, Umweltanalytik und Lebensmittelkontrolle erforscht und entwickelt.

Was treibt Sie persönlich an, in diesem Bereich bei Molzym zu forschen und zu arbeiten?

Ich habe Biotechnologie studiert und war lange in der Grundlagenforschung, hatte aber schon einige Zeit den Wunsch, Forschungsarbeit in die Praxis zu überführen. Besonders die Sepsisthematik hat mich persönlich sehr bewegt. Es ist eine allgegenwärtige Erkrankung, an der viele Millionen Menschen sterben. Ich möchte meinen fachlichen Beitrag dazu leisten und technologische Lösungen entwickeln, mit denen man lebensbedrohliche Zustände besser behandeln kann. Darum fand ich es sehr spannend, als Laborleiter für Molzym den Standort im Potsdam Science Park aufzubauen. Mit dem Gerät, an dem wir derzeit forschen, können wir die Zeit für die Identifikation der Erreger stark minimieren und die Heilungschancen verbessern. Das finde ich großartig. Es motiviert mich, zu sehen, dass ich mit meiner Forschungsarbeit und meinem Team anderen Menschen helfen oder sogar Menschenleben retten könnte.

Herr Dr. Lutzenberger, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Dieser Blog und die Projekte der Standortmanagement Golm GmbH im Potsdam Science Park werden aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und des Landes Brandenburg finanziert.

Bildnachweis: Manuel Lutzenberger © Julia Hinz