»In ein fremdes Land zu ziehen, ist nie einfach« – wie Darya Niakhaichyk internationalen Forschenden hilft, in Deutschland Fuß zu fassen

Ob es darum geht, ein Visum zu beantragen oder die richtige Krankenversicherung zu finden – Darya unterstützt internationale Forscher:innen am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik im Potsdam Science Park, in Deutschland anzukommen – und kennt viele ihrer Herausforderungen aus erster Hand.

Auf die Frage, was für sie die Atmosphäre im Potsdam Science Park so einzigartig macht, hat Darya eine überraschende, pointierte Antwort: „Es fühlt sich an wie Reisen – ohne das Reisen“, sagt sie. In diesem Sinne ist Darya eine Art Weltenbummlerin. Als International Officer des Max-Planck-Instituts für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut, AEI) kümmert sie sich um die Belange der internationalen Neuankömmlinge. Das renommierte Albert-Einstein-Institut sei zwar im Vergleich mit den beiden anderen Max-Planck-Instituten im Potsdam Science Park verhältnismäßig klein, biete aber ein perfektes Beispiel für die kosmopolitische Wissenschaftsgemeinschaft von heute. „Aktuell arbeiten für das Institut Forschende aus rund dreißig verschiedenen Nationen. Sie kommen aus der ganzen Welt nach Potsdam-Golm, die meisten aus Europa, Asien sowie Nord- und Südamerika“, so Darya.

Ankunft und Leben internationaler Forschenden des AEI in Deutschland erleichtern

Darya sorgt dafür, dass ihr Umzug nach (und manchmal auch aus) Potsdam sowie ihre Zeit in Deutschland so reibungslos wie möglich verlaufen. „Für unsere Neuankömmlinge bedeutet ihr neuer Job am Albert-Einstein-Institut, ihren Lebensmittelpunkt zu verlagern – manchmal nur vorübergehend, für ein paar Monate oder Jahre, manchmal dauerhaft“, erläutert sie die Herausforderungen ihrer Arbeit. „Natürlich sind die meisten von ihnen erfahrene, promovierte Forscher oder Postdocs und haben oft bereits im Ausland gelebt und gearbeitet. Doch seine Sachen zu packen und in ein fremdes Land zu ziehen ist nie einfach.“ Darum beginnt Daryas Arbeit in der Regel nicht erst, wenn ein:e Wissenschaftler:in und (und teilweise auch ihre Familie) in Deutschland angekommen ist, sondern oft bereits lange vorher: „Ich helfe ihnen, die dringendsten Fragen rund um ihren Umzug zu klären: Was muss organisiert werden, bevor sie ihr jetziges Zuhause verlassen und in den Potsdam Science Park kommen?“ Darya verwendet also viel Zeit darauf, zwischen Forschenden und ihren verschiedenen Ansprechpartner:innen zu vermitteln: Das können Botschaften und Einwanderungsbehörden sein, wenn es etwa um Visa und andere Dokumente geht, aber auch der Welcome Service des Potsdam Science Park, der Wissenschaftler:innen hilft, ein neues Zuhause zu finden. Kommen neue Mitarbeitende an, unterstützt Darya sie auch dabei, sich in ihrer neuen Umgebung zurechtzufinden – zum Beispiel, wenn diese einen Termin bei den Einwohnermeldeämtern in Potsdam oder in Berlin organisieren müssen. „Diese Dinge sind in der Metropolregion Berlin-Potsdam schon für Einheimische oft eine Herausforderung. Für jemanden, der aus dem Ausland kommt, eine andere Sprache spricht oder einen anderen kulturellen Hintergrund mitbringt, sind sie allerdings noch einmal mit ganz anderen Schwierigkeiten verbunden.“ Manchmal, scherzt sie, seien die deutsche Bürokratie und die formelle Art, Dinge zu erledigen, für Uneingeweihte womöglich etwas kafkaesk. Bisher aber sei es ihr gelungen, jedem/r Neuankommenden zu helfen, seinen/ihren Weg zu finden.

Der internationalen Wissenschaftsgemeinschaft einen Ort geben

Trotz der Vielfalt an Nationalitäten und Lebensentwürfen im Potsdam Science Park kann es für Außenstehende manchmal schwierig sein, dieses multikulturelle Umfeld zu erkennen und zu (be-) greifen. Das gilt vor allem an naturwissenschaftlich geprägten Einrichtungen wie dem Albert-Einstein-Institut, wo kulturelle Unterschiede oft zwangsläufig in den Hintergrund treten und alle die „universellen“ Sprachen der Mathematik und Physik sprechen. Eine halbe Stunde mit Darya und ihren Anekdoten vermittelt einem dagegen ein fast intuitives Verständnis dafür, wie es sich anfühlen muss, hier zu arbeiten und „zu reisen, ohne zu reisen“. An den Wänden ihres Büros finden sich Bilder zahlreicher Veranstaltungen, die sie oder die internationalen Mitarbeiter:innen des Instituts organisiert haben – wie zum Beispiel eine kleine Hanami-Party („Blumenschau“), die von der japanischen Community des Instituts veranstaltet wurde. Die Leidenschaft, mit der Darya über diese und andere Begegnungen während ihrer Arbeit spricht, ist ansteckend: Sie findet Inspiration durch die Arbeit mit Menschen aus allen Ecken der Welt, aus verschiedenen Lebensbereichen und mit manchmal sehr unterschiedlichen Perspektiven.

Vielleicht ist Darya so gut darin, das internationale Umfeld des Max-Planck-Instituts zu organisieren, weil sie es auf ihre Art repräsentiert. Bevor sie ihre Stelle als International Officer des AEI im Potsdam Science Park antrat, wuchs sie in Minsk, Belarus, auf, wo sie Englisch, Italienisch und Interkulturelle Kommunikation studierte. Nach ihrem Abschluss zog sie 2012 für ein Masterstudium in Interkultureller Kommunikation und Europastudien nach Fulda, absolvierte Praktika am Istituto Venezia in Venedig und dem Goethe-Institut in Dresden. In den letzten zehn Jahren hat Darya also aus erster Hand gelernt, wie es ist, im Ausland zu leben und zu arbeiten. Sie weiß, wie herausfordernd, aber auch lohnend eine solche Erfahrung sein kann. So erinnert sie sich auch noch sehr gut daran, wie sie ein guter Bekannter bei vielen neuen Dingen unterstützt habe, als sie zum ersten Mal nach Deutschland gekommen sei. Diese Person habe ihr die Eingewöhnung deutlich erleichtert – wofür sie heute sehr dankbar sei. „Ich hatte Glück“, sagt sie. Deshalb sehe sie auch ihre Arbeit beim Albert-Einstein-Institut in gewissem Sinne als eine Art, etwas von der Hilfe „zurückzugeben“, die sie selbst erhalten habe. „Wenn ich neue Forschende am Albert-Einstein-Institut unterstütze, fühlt es sich ein bisschen so an, als helfe ich meinem eigenen Ich von damals“.

Ländliche Ruhe und Großstadtflair

Der Potsdam Science Park trägt als Standort viel dazu bei, dass sich internationale Forschende bei ihrer Arbeit am Albert-Einstein-Institut wohlfühlten, betont Darya: „Es ist ein großer Vorteil, so viele hochkarätige Forschungseinrichtungen an einem Ort versammelt zu finden, von denen jede für sich sehr international ausgerichtet ist.“ Das International Office des Max-Planck-Instituts für Gravitationsphysik helfe Neuankömmlingen mit sozialen Veranstaltungen wie dem jährlichen International Dinner oder dem Sprachcafé, gut am Standort anzukommen. Auch die Standortmanagement Golm GmbH biete mit dem standorteigenen Welcome Service viele hilfreiche Services für Neuankömmlinge an, von Vorträgen über das deutsche Steuersystem oder Community-Treffen bis hin zu zwanglosen Networking-Veranstaltungen wie „Business and Beer“. Bei letzterem handelt es sich um ein After-Work-Treffen, bei dem sich alle im Park Beschäftigten in entspannter Atmosphäre treffen (und neben Bier selbstverständlich auch Limonade trinken) können. Auf die Frage, ob es etwas gäbe, was sie im Potsdam Science Park gern verbessern würde, antwortet Darya augenzwinkernd: „Mehr Geldautomaten!“ – lobt aber auch die vorteilhafte Lage im grünen Stadtteil Potsdam-Golm, mit seiner unmittelbaren Nähe zur deutschen Hauptstadt Berlin: „Die Arbeit im Potsdam Science Park bietet im Grunde das Beste aus beiden Welten. Manche sind von Natur aus Stadtmenschen. Beide der regionalen Großstädte sind nur eine kurze Fahrt entfernt – was will man mehr?“ Andere wiederum schätzten die ländliche Umgebung von Potsdam-Golm, in der sie zur Ruhe kommen und sich ungestört auf ihre Arbeit konzentrieren könnten. Darya verortet sich selbst irgendwo zwischen diesen beiden Polen. Sie genießt den Trubel des Berliner Stadtteils Charlottenburg, in dem sie lebt, aber auch die Ruhe während des täglichen Spaziergangs zu ihrem Büro, den sie liebevoll die „malerische Route“ nennt und der an einem kleinen Teich vorbeiführt. Was empfindet sie, wenn sie daran vorbeigeht? Vielleicht das Gefühl, „angekommen“ zu sein.

Dieser Blog und die Projekte der Standortmanagement Golm GmbH im Potsdam Science Park werden aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und des Landes Brandenburg finanziert.

Bildnachweis: Darya Niakhaichyk, International Officer am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik im Potsdam Science Park © Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik/Matteo Broccoli