»Nur, wer in das eigene Wohlergehen investiert, ist fähig zu Exzellenz« – Tina Stavemann leitet das Gesundheitsmanagement des Potsdam Science Park

Das Potenzial des Potsdam Science Park steckt in den Menschen, die in ihm arbeiten. Damit Forschende, Studierende und Unternehmer:innen nicht ausbrennen, engagieren sich der Park, die Universität und ihre Institute für ihre Gesundheit. Tina Stavemann vom Potsdam Science Park und Adina Ludwig von der Universität Potsdam erklären, welche Beschwerden bei Büro- und Laborarbeit vermehrt auftreten, warum geschlechtersensible Gesundheit ein Muss ist und mit welchen Angeboten sie die Beschäftigten im Park erreichen möchten.

Mehr als 10.000 der über 182.000 Einwohner:innen Potsdams arbeiten in einer wissenschaftlichen Einrichtung. Gemeinsam beeinflussen sie nicht nur die Demografie der Stadt, sondern werden ihrerseits von den Bedingungen ihrer Jobs geprägt, auch gesundheitlich. Dass Büro- oder Laborarbeit ähnlich belastend für Körper und Geist sein können wie physische Arbeit, ist heute anerkannt. Deshalb arbeiten auch viele wissenschaftliche oder wissenschaftsnahe Institutionen wie der Potsdam Science Park oder die Universität Potsdam daran, gesundes Arbeiten in den Fokus zu rücken.

Breites Spektrum an Gesundheitsprogrammen und Initiativen

Tina Stavemann organisiert das Gesundheitsmanagement für den Potsdam Science Park. Sie hat einen guten Überblick über die Programme aller Institutionen im Park. Allein die Universität Potsdam, welche gemeinsam mit der Stadt Potsdam als Gesellschafterin für den Potsdam Science Park fungiert, unterhält mit dem ›Feel Good Campus‹ für Studierende, dem Betrieblichen Gesundheitsmanagement und dem ›Steuerkreis Gesundheit‹ für Mitarbeitende gleich zwei weitere Gesundheitsmanagement-Angebote. Hinzu kommen die hauseigenen Angebote der Fraunhofer- und Max-Planck-Institute sowie dem Brandenburgischen Landeshauptarchiv im Potsdam Science Park. »Und natürlich gründen sich auch in Arbeitsgruppen und Fachbereichen immer wieder private Initiativen, gerade in Sachen Sport und Bewegung, wie etwa klassische Laufgruppen«, so Stavemann. »Außerdem können Beschäftigte auch die Angebote des Zentrums für Hochschulsport nutzen«, ergänzt Adina Ludwig, die das betriebliche Gesundheitsmanagement der Universität Potsdam koordiniert.

Da sich das betriebliche Gesundheitsmanagement der Institutionen im Potsdam Science Park nur an ihre Mitarbeitenden richtet und Eigeninitiativen oft im kleinen Kreis bleiben, bietet der Potsdam Science Park ein übergeordnetes Gesundheitsmanagement für alle Beschäftigten und Studierenden am Standort  an. Die Angebote umfassen Workshops auf Deutsch oder Englisch zu unterschiedlichen Themen wie Ernährung, gendersensibler Gesundheit, mentaler Gesundheit oder gesunder Team- und Selbstführung, regelmäßige Blutspendeaktionen sowie eine betriebliche Erste-Hilfe-Ausbildung. Dabei kooperiert der Potsdam Science Park mit seinen Partnerinnen, der Techniker sowie der Barmer Krankenkasse.

Adina Ludwig koordiniert das betriebliche Gesundheitsmanagement der Universität Potsdam © Adina Ludwig

 

Gesundheit in Universität und Forschungseinrichtungen: Vielfalt sichtbar machen und Unterstützung anbieten

Die Angebote antworten auf die vielfältigen gesundheitlichen Herausforderungen, denen Mitarbeitende im Potsdam Science Park und der Universität Potsdam gegenüberstehen und zielen darauf ab, vorhandene Ressourcen zu stärken. Adina Ludwig erklärt: »Natürlich sehen wir die ›klassischen‹ Beschwerden der Büro- und Laborarbeit, wie Rücken- und Nackenbeschwerden«. Darüber hinaus ist eines der häufigsten Anliegen der Mitarbeitenden der Umgang mit Stress. »Die Einsatzbereitschaft von Forschenden ist im Allgemeinen sehr hoch. Diese Menschen leisten oft Pionierarbeit und widmen sich ihren Projekten mit viel persönlichem Engagement. Auch die Mitarbeitenden aus Technik und Verwaltung, die exzellente Forschung erst ermöglichen, tragen eine große Verantwortung«, so Ludwig: »Dies geht oft mit hohem Anspruch an die Leistung und intensiver Arbeitsbelastung einher«. Besonders aufgefallen sei dies während der Corona-Pandemie: »Gerade Mitarbeitende mit Kindern standen in dieser Zeit vor zusätzlichen Herausforderungen. Die gestiegene Sorgearbeit wie Kinderbetreuung und Homeschooling erschwerte es vielen Mitarbeitenden das gewohnte Arbeitspensum aufrechtzuerhalten. Der Versuch in beiden Lebensbereichen gleichermaßen erfolgreich zu sein, führte manche an die eigenen Grenzen. Daher ist es uns wichtig, hier frühzeitig mit unseren Präventionsangeboten anzusetzen. Wir legen großen Wert darauf, die gesundheitlichen Kompetenzen und Ressourcen unserer Mitarbeitenden zu stärken.«

Um erfolgreich zu sein, sagt Tina Stavemann, zielen die Gesundheitsangebote des Potsdam Science Park und anderer Institutionen darauf ab, so viele Mitarbeitende wie möglich anzusprechen. Dafür ist es nötig, dass sie ihre besonderen Bedürfnisse ernst nehmen. »Ein klassisches Beispiel sind internationale Forschende.« Laut Stavemann steht diese Gruppe vor speziellen Herausforderungen, die zu üblichen Arbeitsbelastungen hinzukommen: »Das beginnt damit, dass sie das Netzwerk, das uns allen zur Pflege unserer Gesundheit wie selbstverständlich zur Verfügung steht, noch einmal ganz neu aufbauen müssen. Sie brauchen eine:n Hausärzt:in oder -arzt und eine:n Zahnärzt:in oder -arzt, der bzw. die Englisch oder ihre Muttersprache spricht. Manche benötigen vielleicht eine:n Chiropraktiker:in oder eine:n Entbindungspfleger:in.« Hinzu kommt, dass das Gesundheitssystem in vielen Herkunftsländern internationaler Forschender anders organisiert ist als in Deutschland. Sie müssen den Umgang mit dem deutschen System erst lernen. In solchen Situationen unterstützt Stavemann, die auch im Welcome Service des Potsdam Science Park arbeitet, Betroffene dabei, sich zurechtzufinden und bürokratische Hürden zu überwinden.

Gendersensible Gesundheit – Präventionsangebote neu denken

Eine Herzensangelegenheit ist laut Stavemann und Ludwig das Thema gendersensible Gesundheit. Dieser medizinische Ansatz erkennt an, dass das biologische Geschlecht das Krankheitsbild eines Menschen beeinflusst. Adina Ludwig nennt das klassische Beispiel des Herzinfarkts: »Ein drohender Infarkt zeigt sich bei Männern und Frauen oft sehr unterschiedlich. Männer klagen über Schmerzen in der Brust oder im linken Arm, Frauen eher über Rückenschmerzen, Schmerzen im Oberbauch, Übelkeit und Erbrechen. Diese Unterschiede sind kaum bekannt, das Wissen um sie kann im Ernstfall jedoch Leben retten. »Wir möchten mit unseren Angeboten dazu beitragen, dieses Wissen und die Möglichkeiten in der Prävention von und dem Umgang mit Krankheiten an unsere Mitarbeitenden im Park heranzutragen. Gendersensible Aspekte aktiv in das betriebliche Gesundheitsmanagement einzubinden, ist noch ein recht neuer Ansatz und wir sind sehr dankbar, dass beide Krankenkassen-Partnerinnen uns aktiv dabei unterstützen«, erklärt Stavemann.

Auch die Nutzung von Gesundheitsangeboten ist durch das Geschlecht geprägt. So lastet auf Männern vielfach der Druck, sich stark und gesund zu präsentieren und daher körperliche und psychische Leiden nicht zu zeigen. Dies sorgt dafür, dass sie Symptome häufiger ignorieren oder verheimlichen und seltener eine:n Ärzt:in oder einen Arzt konsultieren. In der Folge bleiben Erkrankungen bei ihnen länger unentdeckt. »Die bei uns angesiedelten Institutionen haben meist eine klare MINT-Ausrichtung. In diesem Bereich ist der Anteil der Männer unter den Beschäftigten traditionell hoch. Gleichzeitig bemerken wir, dass in Relation dazu gesehen mehr Frauen unsere Angebote nutzen.«

Vor allem mit seinen Workshops adressiert das Gesundheitsmanagement des Parks deshalb zunehmend die Themen, die für die Geschlechter jeweils von besonderer Bedeutung sind: Etwa durch eine Kombination aus E-Learning und einem Vortrag zum Thema ›Männergesundheit‹ oder, wie zuletzt in Kooperation mit Adina Ludwig und dem betrieblichen Gesundheitsmanagement der Universität Potsdam, in einem Online-Workshop zum Thema Menstruation und Sport.

Für Tina Stavemann sind die Angebote des Gesundheitsmanagements auch ein wichtiges Instrument, um den Potsdam Science Park als Ganzes zu stärken. »Mit unseren Angeboten fördern wir unsere wichtigste Ressource: unsere Mitarbeitenden. Denn auch für Forschende gilt, dass ein gesunder Geist in einem gesunden Körper lebt. Nur, wer in das eigene Wohlergehen investiert, ist fähig zu exzellenten Leistungen.

 

Dieser Blog und die Projekte der Standortmanagement Golm GmbH im Potsdam Science Park werden aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und des Landes Brandenburg finanziert.